Über das Werk
Living Legacies vereint George Balanchine, Christopher Wheeldon und Frederick Ashton.
Living Legacies – lebende Vermächtnisse – vereint mit George Balanchine und Frederick Ashton nicht nur zwei wegweisende Choreografen, deren Werke bis heute »State of the Art« einer jeden Ballettcompagnie sind und die die Kunst und Entwicklung des klassischen Tanzes entscheidend geprägt haben, sondern führt mit Christopher Wheeldon in die Gegenwart, macht Linien und Brücken deutlich. Nicht nur im Fortführen von choreografischen Traditionen, sondern auch in deren neu denken und interpretieren als auch durch die Tänzerinnen und Tänzer, die sich im Hier und Jetzt befinden, bleibt das Erbe des klassischen Balletts lebendig.
Eine Hommage an den großen Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart wollte George Balanchine mit seinem Divertimento Nr. 15 kreieren. Inspiriert von der Klarheit, Vielseitigkeit und Eleganz, die das Œuvre des Österreichers auszeichnet, ist so eines der duftigsten Ballette des Choreografen entstanden: »Dieses besondere Divertimento ist wahrscheinlich das größte seiner Art. Es repräsentiert Mozart von seiner besten Seite, indem es eine vertraute Form der Hofmusik mit warmer Würde, Verspieltheit und zarter, lyrischer Schönheit versieht«, sagt Balanchine und lässt die Bewegungen in seiner Choreografie ganz nach seinem Credo »See the music, hear the dance« der Komposition folgen. »In Balanchines Erarbeitung der Musik Mozarts wird eine echte ›Seelenverwandtschaft‹ zweier großer Geister spürbar«, schreibt Ballettkritiker Richard Buckle über das Werk, das 1956 mit dem New York City Ballet Premiere feierte.
Christopher Wheeldons Within the Golden Hour, 2008 mit dem San Francisco Ballet uraufgeführt, wurde ursprünglich von dem Licht und den Goldfarben in den Gemälden von Gustav Klimt inspiriert. Das Sinnliche und Schimmernde, welches Klimts Kunst ausmacht, entdeckte Wheeldon ebenfalls in der Musik von Ezio Bosso, die für seine Kreation um das Andante aus Vivaldis Violinkonzert in B-Dur ergänzt wurde, und begab sich so auf eine choreografische Reise, in der vor allem Momente von flüchtiger Schönheit in den Mittelpunkt gestellt werden. So sind die sieben Sätze des Balletts »wie eine Reihe von kleinen Gemälden oder Skizzen zu betrachten, die von der Musik inspiriert sind«, beschreibt Wheeldon seine Kreation, die das klassische Bewegungsmaterial um andere Tanzformen erweitert, um so »eine neue, interessante Sicht auf einen Ballettschritt« zu evozieren.
Rhapsody ist eine der letzten Arbeiten von Frederick Ashton und wurde anlässlich des 80. Geburtstags von Queen Elizabeth The Queen Mother 1980 zur Premiere gebracht. Kreiert hat es Ashton für den legendären Tänzer Mikhail Baryshnikov, der als Gasttänzer mit dem Royal Ballet London auftrat. Rhapsody vereint die Brillanz der russischen Technik mit der Lyrik des englischen Stils – ganz im Geiste Ashtons. Zu Rachmaninows Rhapsodie über ein Thema von Paganini entfaltet sich so ein non-narratives, aber doch kraftvoll ausdrucksstarkes Ballett. Explosive Sprünge und wirbelnde Drehungen des Tänzers treffen auf die federleichte Präzision und anmutigen Linien der Ballerina. Dieses Ballett ist ein leuchtender Tribut an Ashtons unvergleichlichen und prägenden Stil sowie seine außergewöhnliche Karriere: »ein zeitloses Meisterwerk des Klassizismus und von strahlender künstlerischer Virtuosität.«
Die musikalische Bandbreite des Abends reicht von Wolfgang Amadeus Mozart bis zu Sergei Rachmaninoff. Mozarts Divertimento Nr. 15 besticht durch seine Klarheit, Struktur und tänzerische Eleganz. Dem gegenüber steht die Musik zu Christopher Wheeldons Within the Golden Hour, in der zeitgenössische Kompositionen von Ezio Bosso als auch eine Ergänzung von Antonio Vivaldi eine eigene Klangwelt entfalten. Rachmaninoffs Rhapsodie über ein Thema von Paganini wiederum verbindet virtuose Brillanz mit emotionaler Tiefe.
Mit Living Legacies kommt eine neu zusammengestellte Produktion in das Repertoire, die die Vision der Ballettdirektorin Alessandra Ferri zum Leben erweckt und den klassischen Tanz im Heute verankert: »Er gehört zu uns. Ich verstehe seine Tiefe, ähnlich wie bei klassischer Musik: Sie kommt nie aus der Mode, weil sie eine außergewöhnliche Kunstform ist. Natürlich entstehen heute neue Werke und neue Formen – und das ist wichtig und wunderbar –, aber das Klassische ist unsere Identität. Und zu dieser Identität stehe ich. Das Publikum, das in unsere Vorstellungen kommt, erwartet Ballett, und die Tänzerinnen und Tänzer, die ihr ganzes Leben dafür trainiert haben, wollen genau das tanzen. Es liegt in ihrer DNA. Wir sind eine klassische Compagnie und gleichzeitig offen für vielseitige Herangehensweisen an diese Kunstform. Wir haben die Möglichkeit, das klassische Ballett weiterzuentwickeln, neue Erzählweisen und Ausdrucksformen zu finden, ohne seine Ursprünge zu verleugnen.«
Während Balanchines Divertimento Nr. 15 1990 seine Premiere an der Wiener Staatsoper feierte, erleben Ashtons Rhapsody und Wheeldons Within the Golden Hour ihre Wiener Erstaufführungen in der Ballett-Gala 2026.