Wild & Schön Festival
NEST |
Wenn junge Menschen Theater machen, entsteht etwas Unmittelbares: viel rohe Energie, ehrlicher Ausdruck und eine ganz eigene Sprache für das, was sie bewegt.
Genau dafür schafft das Wild & Schön Festival Raum. Von 22. bis 26. Juni 2026 gehören die Bühnen im NEST und im DSCHUNGEL WIEN jungen Musiktheater- und Tanzensembles aus ganz Österreich. Eine Woche lang treffen ausgewählte Schulgruppen, außerschulische Theaterclubs und junge Kollektive aufeinander, zeigen ihre selbst entwickelten Produktionen und machen Wien für eine Woche zur Bühne für junge Kunst, neue Perspektiven und gemeinsames Ausprobieren.
Das Festival möchte jungen Menschen eine Bühne geben – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Im Mittelpunkt stehen die Themen, Fragen und Ideen, die junge Menschen gerade beschäftigen. Es versteht sich dabei weniger als Wettbewerb, sondern vielmehr als Ort der Begegnung – zwischen unterschiedlichen Bundesländern, künstlerischen Zugängen und jungen Menschen, die gemeinsam Theater machen, ausprobieren und weiterdenken wollen.
Die Resonanz zeigt, wie groß dieses Bedürfnis ist. Zwischen September 2025 und Jänner 2026 wurden insgesamt 24 Produktionen eingereicht. Acht davon wurden schließlich von einer Jury ausgewählt – bestehend aus Vertreterinnen vom NEST und DSCHUNGEL WIEN, freien Kolleginnen aus den Bereichen Community-Theater und Dramaturgie sowie einer jugendlichen Stimme. Die ausgewählten Stücke verbindet vor allem eines: Sie sind selbst entwickelt, selbst geschrieben, komponiert und choreografiert – und damit unmittelbarer Ausdruck junger Perspektiven.
Die Themen könnten dabei kaum aktueller sein. Viele der Festival-Produktionen kreisen um Klimakrise, Digitalisierung, gesellschaftlichen Druck, Identität und Gemeinschaft – also um Fragen, die junge Menschen heute betreffen.
Eröffnet wird das Wild & Schön Festival am 22. Juni mit der Produktion Heimlich! des Opernlabors der Wiener Staatsoper. Das junge Ensemble bringt ein Musiktheaterstück mit mitreißenden Chören, berührenden Arien, packenden Monologen und auch Choreografien auf die Bühne im NEST. Hier werden Themen wie Machtmissbrauch, Manipulation oder soziale Ungleichheit verhandelt – angestoßen von Giuseppe Verdis Oper Luisa Miller.
So kommt aus Niederösterreich das Tanzstück BURNING. coming closer, welches das Motiv des Brennens ins Zentrum stellt. Was passiert, wenn eine Welt aus den Fugen gerät – und gleichzeitig neue Kräfte freisetzt? Die sechzehn Tänzer*innen entwerfen in choreografierten und improvisierten Szenen ein körperliches Mosaik aus Wut, Überforderung, Sehnsucht und Hoffnung. Das Brennen steht dabei sowohl für eine Welt in der Krise als auch für das innere Feuer einer Generation, die für eine gute Zukunft kämpft. Kraftvoll und verletzlich zugleich entsteht ein Bild von Gemeinschaft: Körper, die sich gegenseitig tragen, sich annähern und gemeinsam Widerstand entwickeln.
Aus der Steiermark reist die Produktion Denn sie wissen, was sie tun: Romeo & Julia an. Der Spielclub nähert sich Shakespeares berühmtestem Liebespaar mit heutiger Sprache, popkulturellen Bildern und viel Selbstironie. »Der cute Boy und sein Crush« treffen auf große Gefühle, dramatische Konflikte und die Frage, warum uns diese Geschichte bis heute beschäftigt. Dabei geht es weniger um eine klassische Neuerzählung als um eine Auseinandersetzung mit den Bildern, die wir alle von Romeo und Julia im Kopf haben – und darum, ob diese Geschichte überhaupt noch etwas mit unserer Gegenwart zu tun haben muss.
Groß angelegt ist auch die Produktion Wenn der Wald geht des BORG Kindberg, ebenfalls aus der Steiermark: ein Musiktheaterprojekt mit Orchester, Schauspieler:innen und Tänzerinnen. Die Geschichte führt in eine vollständig digitalisierte Welt, in der die Natur fast verschwunden ist und soziale Beziehungen rationalisiert wurden. Jugendliche »Soldiers« arbeiten daran, die Realität für die sogenannten »Digis« schönzuschreiben, bis eine von ihnen auf einen Ort stößt, an dem es noch echtes Grün gibt. Zwischen analogen und digitalen Lebenswelten entsteht eine berührende Geschichte über Verlust, Hoffnung und die Suche nach einer gemeinsamen Zukunft. Gleichzeitig stellt das Stück die Frage, wie Menschen in einer zunehmend künstlichen Welt Menschlichkeit bewahren können.
Gerade diese Vielfalt macht das Wild & Schön Festival besonders. Das Festival vereint künstlerisch starke Produktionen mit offenen, lebendigen Arbeitsprozessen. Hier wird ausprobiert, hinterfragt, verworfen und neu gedacht. Die jungen Künstler*innen bringen ihre eigenen Themen auf die Bühne – direkt, poetisch, unbequem und oft mit großer Ehrlichkeit.
Neben den Aufführungen lädt auch ein vielseitiges Rahmenprogramm zum Mitmachen und Weiterdenken ein: Workshops, Diskussionsformate zu den behandelten Themen, Partys, Sing-Alongs und Opernkaraoke schaffen Raum für Austausch und Begegnung – auf und abseits der Bühne.
So zeigt Wild & Schön, was Theater heute sein kann: Ein Ort für neue Perspektiven, künstlerische Auseinandersetzung und junge Stimmen, die gehört werden wollen. Denn die Zukunft von Musiktheater und Tanz beginnt nicht erst morgen – sie steht längst auf der Bühne.