Olga Esina nimmt Abschied von der Bühne
Ballett |
Im kommenden Juni geht beim Wiener Staatsballett eine außergewöhnliche Tänzerinnenkarriere, die von Beginn an von großem Erfolg begleitet war, zu Ende. Die Erste Solotänzerin Olga Esina nimmt nach mehr als 20 Jahren der Zugehörigkeit zum Wiener Staatsballett ihren Abschied von der Bühne.
Ausgebildet an der Waganowa-Ballettakademie in ihrer Heimatstadt St. Petersburg schloss sie sich nach einem Engagement am Mariinski-Theater 2006 dem Ballett der Wiener Staatsoper und Volksoper als Solistin an. 2010 avancierte sie zur Ersten Solotänzerin. Mit ihrer herausragenden Persönlichkeit, emotionalen Bandbreite, technischen Exzellenz sowie künstlerischen Brillanz wurde sie nicht nur zu einer der prägendsten Künstlerinnen des Wiener Staatsballetts, sondern auch international zu einer der führenden Tänzerinnen ihrer Generation.
Stilistisch ist Esina ebenso im klassischen und neoklassischen Ballett, wie in modernen Kreationen zu Hause. Sie tanzte zahlreiche Hauptrollen u.a. in den vergangenen Spielzeiten in Rudolf Nurejews Schwanensee, Christopher Wheeldons The Winter’s Tale, Roland Petits Die Fledermaus, Hans van Manens Live und John Neumeiers Die Kameliendame. In dessen Nijinsky ist sie in dieser Saison als Romola Nijinska zu erleben.
„Ich habe Olga Esina viele Jahre lang aus der Ferne bewundert. Erst in der vergangenen Spielzeit hatte ich das Privileg, sie näher kennenzulernen, und konnte feststellen, dass die außergewöhnliche Eleganz, die sie als Ballerina ausstrahlt, weit über die Bühne hinausreicht. Sie zeigt sich in ihrem Wesen, in ihrer Seele und in allem, was sie tut. Olga besitzt eine ganz besondere Ausdruckskraft, und ich bewundere sie zutiefst – sowohl als Künstlerin als auch als Mensch. Ich bin sehr dankbar für die Gelegenheit, mit ihr zusammenzuarbeiten, wenn auch nur für kurze Zeit“, so Ballettdirektorin Alessandra Ferri.
Olga Esina blickt ihrem bevorstehenden Abschied mit einem weinenden und einem lachenden Augen entgegen: „Natürlich bedeutet dieser Schritt eine große Veränderung in meinem Leben. Mehr als 20 Jahre war die Wiener Staatsoper ein wesentlicher Teil meines Alltags und ist für mich zu einem zweiten Zuhause geworden. Im Moment kann ich mir noch kaum vorstellen, wie es sein wird, nicht mehr jeden Tag dorthin zu kommen und Teil dieses besonderen Hauses und dieses großen künstlerischen Organismus zu sein. Gleichzeitig habe ich diese Entscheidung sehr bewusst getroffen. Ich bin glücklich damit und empfinde dabei keine Traurigkeit. Für mich ist es kein Ende, sondern der Beginn eines neuen Abschnitts – in meinem Leben und auch in meiner künstlerischen Laufbahn. Ich habe viele Pläne für die Zukunft und wünsche mir sehr, das Wissen und die Erfahrung, die ich über all diese Jahre sammeln durfte, an die nächste Generation weiterzugeben.
Wenn ich heute auf meine Karriere zurückblicke, wird mir erst richtig bewusst, welch großes Repertoire ich tanzen durfte, wie viele unterschiedliche Choreografen, Rollen und künstlerische Welten mich geprägt haben und wie viel Erfahrung sich in diesen Jahren angesammelt hat. Ich habe das Gefühl, dass ich etwas weiterzugeben habe. Kunst und insbesondere der Tanz haben mir unendlich viel gegeben, und ich bin überzeugt davon, dass Kunst für unsere Gesellschaft und für die Entwicklung zukünftiger Generationen von großer Bedeutung ist. Dem Theater werde ich selbstverständlich immer verbunden bleiben. Die Wiener Staatsoper und die Volksoper werden immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben, und ich werde mit großer Freude weiterhin Vorstellungen und Premieren besuchen.
Jetzt aber genieße ich zunächst ganz bewusst diese letzte Saison und jeden einzelnen Moment auf der Bühne. Ich bin Alessandra Ferri sehr dankbar dafür, mit wie viel Verständnis, Wärme und Unterstützung sie meine Entscheidung aufgenommen hat. Dadurch kann ich diese Saison sehr frei und mit großer Freude erleben – und ich genieße tatsächlich jeden einzelnen Auftritt.“
Eine detaillierte Biografie von Olga Esina finden Sie hier.