Kompetenz, Leidenschaft & Liebe
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Wer ihn einmal bei der Probenarbeit erlebt hat, wird sich für immer an diese Momente erinnern -
Da ist ein junger Mann, freundlich und fokussiert, kenntnisreich, in Bildern sprechend, intensiv und faszinierend, immer am Punkt, immer mit ganzem Herzen fühlend, immer zutiefst profund. Man hängt an seinen Lippen … Und dabei sind das erst die Proben! Man denke jetzt nur an die Aufführungen: Nach diesen jubelt seine eingeschworene Fangemeinde, jubelt das internationale Publikum, schwärmen die Medien.
Doch der Erfolg kommt freilich nicht von ungefähr. Neben seinem Talent erwies sich Lorenzo Viotti früh als kluger Handwerker, der den Musikbetrieb als Ganzes begriff. Was dazu führte, dass er sich nicht nur auf Pult und Dirigentenstab konzentrierte, sondern unter anderem auch Schlagwerk, Gesang und Klavier lernte und eine Studientour durch unterschiedlichste Abteilungen und an diverse Orte im Kulturbetrieb unternahm. Im Falle der Wiener Staatsoper: Er substituierte als Schlagwerker im Orchester, lernte das Repertoire vom Stehplatz aus kennen, half im Musikarchiv aus. Alles kleinere und größere Mosaikteilchen, die ihn – auch – zu dem machten, der er heute ist: nämlich ein gefragter Operninterpret und Dirigent erster Klangkörper wie u. a. der Wiener und Berliner Philharmoniker, des Königlichen Concertgebouw Orchestra oder der Sächsischen Staatskapelle Dresden.
Bei allem Elan und Schwung – immer spürt man, wie er nicht nur in der Musik, sondern auch im Gespräch der leuchtenden Begeisterung reflektiertes Nachdenken untermischt. Freilich, mitunter geht es augenzwinkernd zu: So erzählt er gerne, wie er in der Wiener Staatsoper einst als Schlagwerker bei Giacomo Puccinis La Bohème einen Einsatz verpasst habe – weil er von der Aufführung, der Musik und dem Gesang so gebannt gewesen wäre. Ein schönes Bild! Noch schöner aber sein Zugang zur kollektiven und, wie er hervorhebt, partnerschaftlichen Arbeit in der Oper: »Wir arbeiten mit Menschen, also müssen wir Menschen lieben, damit es gut werden kann!« Und was wird bei Werken wie Puccinis Il trittico, das Viotti im Juni an der Wiener Staatsoper leiten wird, gebraucht, wenn nicht auch große Liebe zu den und Verständnis für die Menschen? Und seien sie nur Figuren eines Opernabends …