Gedanken zu »Wozzeck«
News |
Meine erste Begegnung mit Wozzeck war die legendäre Aufführung an der Wiener Staatsoper mit Franz Grundheber, Hildegard Behrens und Claudio Abbado am Pult.
Ich durfte damals Abbado assistieren und den ganzen Probenprozess miterleben. Da hat es mich gepackt …
Alban Bergs Wozzeck ist zweifellos ein Wurf. Verpackt in seiner objektiven Kürze wird ungemein dicht, konzis und stringent die Geschichte einer von der Gesellschaft ausgestoßenen, gepeinigten menschlichen Kreatur erzählt. Da Musik grundsätzlich tief in das Unterbewusste im Menschen zielt und einen unvergleichlichen Eindruck im Emotionalen hinterlässt, verstärkt Berg durch seine Partitur die emotionale Wucht der an sich schon großartigen Vorlage Georg Büchners noch um ein Vielfaches. Der weltweite Erfolg dieser Oper fußt nicht zuletzt auch auf der Emotionalität der Musik, die in ihrer Grundhaltung spätromantisch ist – auch wenn der Komponist die traditionelle Tonalität bereits überwunden hatte.
Alban Berg gelang es zudem, in der Musik des Wozzeck auch etwas zutiefst Österreichisches zu verankern, gewissermaßen einen musikalischen ›Dialekt‹, der geprägt ist von den typisch österreichischen Tanzformen wie Ländler, Walzer, Marsch und Polka. Der emotionale Höhepunkt in Wozzeck ist für mich eindeutig das ›Hopp, hopp‹ am Schluss der Oper, in dem die ganze Tragik der Handlung in der Unschuld des Kindes erfahrbar wird: eines plötzlich verwaisten kleinen Kindes, das nicht ahnt, wie allein und ungeschützt es mit einem Mal der Welt und der Menschheit ausgeliefert ist.