Feier des Tanzes
Ballett |
Frederick Ashton, 1962 für seine Verdienste um das Ballett zum Ritter von Großbritannien geschlagen, zählt zu den herausragenden Persönlichkeiten der Tanzgeschichte und gilt als einer der maßgeblichen Gestalter einer Ballettkunst des 20. Jahrhunderts. 1935 von Ninette de Valois an das Vic-Wells Ballet, welches erst zum Sadler’s Wells Ballet und später zum Royal Ballet London werden sollte, als Tänzer und Chefchoreograf verpflichtet, ist seine Karriere eng mit der berühmten Londoner Compagnie verbunden: 1942 bis 1963 war Ashton stellvertretender Direktor, 1963 bis 1970 Direktor des Royal Ballet.
Mit seiner lyrischen, klaren und zutiefst musikalischen choreografischen Sprache prägte Ashton den englischen Tanz wie kein anderer. Sein unverwechselbarer Stil, der als »english style« definiert wird, zeichnet sich dabei besonders durch schnelle, präzise Fußarbeit, die Betonung des Épaulement (Haltung von Kopf und Schultern) sowie einen flexiblen Oberkörper aus. Was all seine Werke eint, ist die feinsinnige Verbindung von Eleganz und höchsten technischen Anforderungen.
Die heurige Ballett-Gala zollt Tribut an diesen großen Künstler und gibt Einblicke in Ashtons umfassendes Œuvre mit ikonischen Momenten aus seinen Choreografien. Eröffnet wird die Gala mit Rhapsody, einer der letzten Arbeiten Ashtons, kreiert für Mikhail Baryshnikov. In diesem Werk kommt die Verbindung des lyrischen englischen Stils mit der Brillanz der russischen Technik vollends zum Tragen: »Ein zeitloses Meisterwerk des Klassizismus und von strahlender künstlerischer Virtuosität.«
Neben dem Solo Dance of the Blessed Spirits zur Musik Christoph Willibald Glucks, das Orpheus’ Sehnen nach Eurydike vertanzt, seinem Pas de quatre aus Schwanensee und dem Pas de deux Voices of Spring zum Frühlingsstimmen-Walzer von Johann Strauß steht auch ein Pas de deux aus Ashtons Ballettkomödie La Fille mal gardée auf dem Programm: »Frederick Ashtons La Fille mal gardée entspricht genau den Grundsätzen dieses großen Meisters: Von Anbeginn seiner Karriere waren ihm Bewahren und Erneuern gleich große Anliegen. Sein Gefühl für Romantik, sein Humor, sein Charme, sein Stilgefühl zeichnen sein gesamtes Œuvre aus und kulminieren in diesem Werk, das, so sehr es Traditionen verpflichtet ist, doch sein ureigenstes geworden ist. Kurz: ein ›Ashton Ballett‹, ein Prädikat, das stellvertretend steht für alle Lobeshymnen, die diesem Ballett gesungen wurden.« (Alfred Oberzaucher)
Alessandra Ferris Kuration der Gala öffnet den Blick auch für choreografische Schnittstellen und intensive Beziehungen Ashtons zu anderen Künstler*innen. So dürfen der Grand Pas de deux aus Le Corsaire, am Covent Garden 1962 elektrisierend getanzt von Margot Fonteyn und Rudolf Nurejew – Ashton spielte eine entscheidende Rolle beim Zusammenführen eines der legendärsten Paare der Ballettgeschichte – sowie das berührende Solo Der Sterbende Schwan, kreiert von Michel Fokine für Anna Pawlowa, jene Ballerina, die Ashton stets bewunderte und die den Wunsch, Tänzer zu werden, in ihm auslöste, nicht fehlen.
George Balanchine, ein Choreograf, den Ashton zutiefst respektierte, bildet mit seinem glamourösen Diamonds aus Jewels den Abschluss der Gala. Christopher Wheeldons sinnliches Within the Golden Hour feiert seine Wiener Premiere: »Der britische Choreograf steht mit seiner Ballettkunst ganz im Erbe Frederick Ashtons und schlägt eine Brücke zu George Balanchine. Die Ballett-Gala 2026 wird eine unvergessliche Feier des Tanzes, die das Publikum auf eine Reise durch die gemeinsame künstlerische Linie dieser Choreografen mitnimmt«, so Alessandra Ferri.
Als Teil des weltweiten Festivals Ashton Worldwide 2024–2028, eingerahmt vom 120. Geburtstag Ashtons im Jahr 2024 und dem 40. Todestag 2028, das die universelle Anziehungskraft seiner Werke sowie sein künstlerisches Erbe feiert, verspricht die Ballett-Gala 2026 einen fulminanten Saisonabschluss.