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Ein Tag ohne Musik? Unmöglich!

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Ein Porträt der Sopranistin Nikola Hillebrand

Manch­mal scheint es, als ob die Mu­sik ge­zielt auf die Su­che nach ganz be­stimm­ten Men­schen ge­hen wür­de. Nach Men­schen, die ih­rer­seits auch von ihr ge­fun­den wer­den möch­ten.

Nach Men­schen, die, oh­ne sich des­sen viel­leicht be­wusst zu sein, be­reit da­für sind, dau­er­haft in der Welt der Tö­ne und Har­mo­ni­en auf­zu­ge­hen und für und durch sie zu wir­ken. Es wä­re zu­min­dest ei­ne schö­ne Er­klä­rung da­für, war­um bei man­chen selbst ei­ne un­be­ab­sich­tig­te Ne­ben­säch­lich­keit die nie mehr ver­sie­gen­de mu­si­ka­li­sche Lei­den­schaft zu ent­zün­den ver­mag. Im Fal­le von Ni­ko­la Hil­le­brand war es ei­ne Au­dio­kas­set­te mit ei­ner spie­le­risch er­zähl­ten Bio­gra­fie Franz Schu­berts. Die Mut­ter hat­te es ihr zu ir­gend­ei­ner Ge­le­gen­heit ge­schenkt, nicht ah­nend, dass sie ein re­gel­rech­tes Sucht­ver­hal­ten aus­lö­sen wür­de. Vor al­lem die hier ein­ge­spiel­te be­rühm­te Fo­rel­le hat­te es der noch sehr klei­nen Ni­ko­la der­art an­ge­tan, dass das Lied nicht nur in End­los­schlei­fen ge­hört wur­de, son­dern das Mäd­chen da­zu ani­mier­te, die er­wach­se­ne Opern­stim­me im­mer und im­mer wie­der zu imi­tie­ren. Ein ers­ter Ge­sangs­un­ter­richt ge­wis­ser­ma­ßen.

Der Grund­stein war je­den­falls ge­legt, ei­ne Be­ru­fung ge­weckt: Ni­ko­la Hil­le­brand und die Mu­sik hat­ten für im­mer in­ni­ge Freund­schaft ge­schlos­sen.

Die Kon­takt­auf­nah­me mit der Welt der Büh­ne fand wie­der­um vor al­lem über ei­ne fast fünf­zehn­jäh­ri­ge Bal­lett­aus­bil­dung statt. Und auch hier ei­ne Lie­be auf den al­ler­ers­ten Blick: Als et­wa Fünf­jäh­ri­ge durf­te sie bei ih­rem ers­ten öf­fent­li­chen Auf­tritt ein Po­ny dar­stel­len. Noch kei­ne tra­gen­de Rol­le frei­lich, aber ir­gend­et­was vom Ram­pen­zau­ber dürf­te Ni­ko­la Hil­le­brand schon da­mals be­rührt ha­ben, denn nach der Auf­füh­rung, als al­le an­de­ren Kin­der ins Freie stürm­ten, blieb sie als Ein­zi­ge mit den Wor­ten zu­rück: »Ma­ma, war­te, jetzt ist al­les frei. Ich muss noch ein­mal ganz al­lein auf die Büh­ne hin­aus, die­se Um­ge­bung ge­nie­ßen und mei­ne Schrit­te tan­zen.«

Und die­se Lust, auf dem Po­di­um vor ei­nem Pu­bli­kum zu ste­hen, den Zu­schau­en­den et­was ze­le­brie­rend dar­zu­bie­ten, soll­te sie seit­her nicht wie­der ver­las­sen.

Aber es gibt dann noch et­was, das ech­ten Künst­le­rin­nen re­spek­ti­ve Sän­ge­rin­nen ei­gen ist. Zu­sätz­lich zum of­fen­bar an­ge­bo­re­nen Be­stre­ben, sich mit­tels Mu­sik vor ei­ner Hö­rer­schaft aus­zu­drü­cken, zu­sätz­lich zur grund­sätz­li­chen Freu­de an der Mu­sik: näm­lich die Fä­hig­keit der to­ta­len in­ne­ren Hin­ga­be und Er­grif­fen­heit durch die Kunst. Ein dies­be­züg­lich be­son­de­rer Mo­ment in Ni­ko­la Hil­le­brands Le­ben fand am Be­ginn ih­rer Sän­ge­rin­nen­lauf­bahn statt. Sie war eben ins Mann­hei­mer En­sem­ble auf­ge­nom­men wor­den und konn­te an ei­nem pro­ben­frei­en Abend ei­ne Vor­stel­lung von Strauss’ Elek­tra be­su­chen. Nie zu­vor hat­te sie die­ses Werk, ja über­haupt ei­ne Strauss-Oper live er­lebt. Um­so ele­men­ta­rer dann die un­mit­tel­ba­re Wirk­macht des Ge­hör­ten. Noch ei­ne Stun­de nach dem Fal­len des Vor­hangs lie­fen ihr die Trä­nen un­kon­trol­liert über die Wan­gen. Was im­mer in ihr aus­ge­löst wor­den war, sie wuss­te spä­tes­tens von da an, dass sie über ei­ne Emo­tio­na­li­tät ver­füg­te, die sie ei­ner­seits zu in­ten­sivs­ten Kunst­er­leb­nis­sen be­fä­hig­te und die ihr ge­ra­de dar­um an­de­rer­seits die Mög­lich­keit gab, Ver­gleich­ba­res durch ihr Sin­gen bei an­de­ren aus­zu­lö­sen. Ni­ko­la Hil­le­brand er­kann­te sich als Sprach­rohr, als Me­di­um der Kom­po­nis­ten und ih­rer Wer­ke. 

Sie ver­stand, dass sie nicht nur un­ent­wegt von Mu­sik um­ge­ben sein woll­te, son­dern durch sie im Aus­tausch mit an­de­ren ste­hen muss­te. Mit Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen eben­so wie mit dem Pu­bli­kum. Pro­sa­isch aus­ge­drückt: Zwei bis drei Auf­trit­te pro Wo­che stel­len für die So­pra­nis­tin un­ge­fähr je­ne Be­triebs­tem­pe­ra­tur dar, bei der sie sich wohl­fühlt – zu­sätz­lich zu den Pro­ben und den ei­ge­nen Stu­di­en, ver­steht sich. Und wer sie zu­fäl­lig pri­vat in ei­nem Su­per­markt oder in der U-Bahn trifft, kann durch­aus an ih­rem Sum­men und ein paar an­ge­deu­te­ten ge­sun­ge­nen Tö­nen er­ra­ten, wel­che Mu­sik ihr ge­ra­de durch den Kopf geht (wo­bei sie be­wusst auf ei­ne Ba­lan­ce zwi­schen Oper, Kon­zer­ten und Lied-Pro­gram­men ach­tet, um das ge­sam­te Spek­trum voll aus­kos­ten zu kön­nen).

All je­ne, die sich nun über ih­ren vol­len Ter­min­ka­len­der wun­dern, sich fra­gen, wie sie all das oh­ne grö­ße­re Aus­zei­ten und in die­ser ho­hen Qua­li­tät be­werk­stel­ligt, sei­en auf ein Phä­no­men ver­wie­sen, das schon an­de­re Sän­ger be­stä­tigt hat­ten: Auf­trit­te be­nö­ti­gen nicht nur En­er­gie, sie ver­wan­deln sich zu­gleich in En­er­gie­spen­der! Und so schöpft Ni­ko­la Hil­le­brand selbst aus ei­ner lan­gen, for­dern­den Par­tie wie Su­san­na oder Pa­mi­na neu­en künst­le­ri­schen An­sporn. Oder aus der Ro­sen­ka­va­lier-So­phie, die sie seit ih­rem 24. Le­bens­jahr eben­falls im­mer wie­der singt – jüngst et­wa mit gro­ßem Er­folg in Ber­lin un­ter Chris­ti­an Thie­le­mann – und mit der sie sich im Mai dem Pu­bli­kum der Wie­ner Staats­oper vor­stel­len wird. Dem sie ab nun üb­ri­gens glück­li­cher­wei­se er­hal­ten bleibt. Al­lein nächs­te Spiel­zeit ist sie auf die­ser Büh­ne so oft zu hö­ren (Kon­stan­ze in der Ent­füh­rung, A­de­le in der Fle­der­maus, wie­der­um die So­phie, Pa­mi­na in der Zau­ber­flö­te und Zden­ka in der Ara­bel­la), dass man in­ner­halb kür­zes­ter Zeit rich­tig­ge­hend ei­nen schö­nen Quer­schnitt ih­res brei­ten Opern­re­per­toires prä­sen­tiert be­kommt. Ans Herz ge­wach­sen wird sie dem Pu­bli­kum aber mit Si­cher­heit schon vor­her sein. Ge­nau­er: nach dem Fal­len des Vor­hangs am 9. Mai, un­mit­tel­bar nach ih­rer ers­ten Wie­ner Ro­sen­ka­va­lier-Vor­stel­lung …

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