Den Moment geniessen
Ballett |
Patrick Armand leitet seit Beginn der Saison 2025/26 die Ballettakademie der Wiener Staatsoper. Der renommierte Pädagoge unterrichtete unter anderem an der Royal Ballet School, Canada’s National Ballet School und am Teatro alla Scala. Zuletzt wirkte er erfolgreich als Direktor der San Francisco Ballet School. Im Gespräch mit Nastasja Fischer gibt Patrick Armand einen Einblick in die Matinee-Vorstellung der Ballettakademie und teilt Gedanken über die Ausbildung.
Sie befinden sich mitten in Ihrer ersten Saison als Direktor der Ballettakademie. Das Schuljahr ist fast geschafft. Wie empfinden Sie die bisherige Zeit?
Es war keine schwierige, sondern vor allem eine interessante und herausfordernde Zeit. Insgesamt entwickelt sich alles in eine Richtung, mit der ich sehr zufrieden bin. Die Reaktionen sind positiv und die Atmosphäre in der Schule ist harmonisch und gut. Ich bekomme große Unterstützung vom administrativen Team und von den Lehrenden. Das hilft enorm. Mir geht es darum, ein bestimmtes Selbstverständnis für die Ballettkunst bzw. -ausbildung zu entwickeln. Wir sind eine professionelle Ballettschule und nicht nur ein Freizeitangebot. Für mich steht immer der Gedanke im Mittelpunkt: Was kann ich tun, um die Schüler*innen bestmöglich auf eine professionelle Laufbahn vorzubereiten?
Welche Ziele haben Sie für die Ballettakademie?
Mein Ziel ist es, die Schüler*innen über mehrere Jahre hinweg zu begleiten und ihre Entwicklung zu zukünftigen Tänzer*innen und Künstler*innen zu sehen. Langfristig möchte ich, dass die Ballettakademie Tänzer*innen hervorbringt, die an großen Häusern wie der Wiener Staatsoper arbeiten können. Gleichzeitig ist klar, dass es beim Wiener Staatsballett nie genügend Verträge für einen ganzen Jahrgang geben wird und manchmal vielleicht auch gar keine. Deshalb ist es wichtig, die Schüler*innen so auszubilden, dass sie bei großen Compagnien weltweit vortanzen können.
Kommen wir zur Matinee – einem jährlichen Höhepunkt für die Schüler*innen. Worauf haben Sie bei der Programmgestaltung besonderen Wert gelegt?
Bei der Matinee muss sich das Programm immer an den Schüler*innen orientieren. Es geht darum, zu zeigen, was sie im Laufe des Jahres erarbeitet haben. Gleichzeitig ist es eine wichtige Erfahrung – viele stehen ja noch nicht regelmäßig auf so einer großen Bühne. Die Herausforderung ist, dass es nur eine Vorstellung gibt. Idealerweise hätte man mehrere Termine, um allen gleiche Chancen zu geben. Dennoch werden alle auftreten: Wir beginnen mit einer Präsentation der gesamten Schule, danach zeigt die Jugendkompanie ein Stück, und zum Abschluss folgt ein Auszug aus Coppélia. Wichtig ist mir außerdem, die Schüler*innen zu fordern, ohne sie zu überfordern. Sie haben ohnehin viel Druck. Die Matinee soll ein positives Erlebnis sein – ein Moment, den sie genießen können.
Können Sie die einzelnen Teile des Programms etwas näher beschreiben?
Wir beginnen mit einer Präsentation aller Ausbildungsstufen. Inspiriert von Wien arbeite ich hier mit Musik von Johann Strauß. Die Schüler*innen von Level 1 bis Level 8 zeigen kurze Variationen und Exercises. Am Ende steht die gesamte Ballettakademie gemeinsam auf der Bühne. So wird die technische Entwicklung über die verschiedenen Stufen hinweg sichtbar – eine Art lebendige Momentaufnahme der Ausbildung.
Die Jugendkompanie zeigt zudem die Choreografie Double Evil von Jorma Elo. Was erwartet das Publikum hier?
Es handelt sich um eine Adaption eines Stücks, das ursprünglich für das San Francisco Ballet entstanden ist. Für die Tänzer*innen der Jugendkompanie hat Jorma Elo es neu einstudiert und teilweise adaptiert. Sein Stil ist sehr direkt und kraftvoll, technisch anspruchsvoll und präzise. Für die jungen Tänzer*innen ist es eine großartige Gelegenheit, mit einem zeitgenössischen Choreografen zu arbeiten und sich künstlerisch weiterzuentwickeln.
Den Abschluss bildet das Handlungsballett Coppélia.
Wir zeigen den dritten Akt nach Arthur Saint-Léons Ballettfassung. Wir hatten das große Glück, mit der international renommierten ehemaligen Ballettdirektorin und Pädagogin Maina Gielgud arbeiten zu können. Sie konzentriert sich im Moment vor allem auf das Coaching und die Stilistik, und genau das war für uns unglaublich wertvoll. Sie hat unter anderem den Tanz der Stunden und den Tanz der Morgenröte mit den Schüler*innen erarbeitet. Besonders spannend war die stilistische Arbeit: Coppélia ist ein Ballett aus dem 19. Jahrhundert, und diese spezifische Ästhetik zu vermitteln, war für die Schüler*innen sehr bereichernd.
Was wünschen Sie sich für die Matinee?
Die Schüler*innen sollen stolz auf das sein, was sie erreicht haben. Es ist ihre Bühne, ihre Vorstellung.