Dein Freund, der Tod
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Bei einem Liederabend ist der Sänger nicht nur Interpret, sondern auch sein eigener Regisseur und Dramaturg, der schon allein durch die Stückauswahl anregende, höchst theatrale Abende zu gestalten vermag. In diesem Sinne ist auch Günther Groissböcks Liederabend am 22. September zu verstehen. Der österreichische Bass – er war an der Wiener Staatsoper gerade als König Philipp in Verdis Don Carlo zu erleben – wird gemeinsam mit dem Pianisten Malcolm Martineau einen großen Bogen spannen, der von Franz Schubert über Hugo Wolf und Hans Pfitzner bis zu Mussorgskis dramatischen, aber dann doch wieder tröstlichen Liedern und Tänzen des Todes reicht.
An diesem Abend wird der Gedanke des lebenslangen Wanderns und Pilgerns ebenso verhandelt wie der geheime Ruf nach der Freiheit im Metternich’schen System des Biedermeier und die Ambivalenz des Todes, der zwischen gnadenloser Monumentalität, an der selbst der Stärkste nicht vorbeikommt, und dem ewige Ruhe bescherenden Wiegenliedsänger changiert. Am Ende des Konzerts wird das Publikum jedenfalls eine vielgestaltige Reise zurückgelegt haben und, wie immer durch die Auseinandersetzung mit hoher Kunst – gemäß Rilkes Archaischem Torso Apollos –, verändert den Heimweg antreten.