Über das Werk
An der Küste Ceylons wird Zurga zum Anführer der Perlenfischer gewählt. Die Priesterin Leila soll verschleiert mit ihrem Gesang Schutz gewähren.
Als Zurgas Jugendfreund Nadir zurückkehrt, flammt ein alter Konflikt auf: Beide liebten einst dieselbe Frau und schworen, ihr zu entsagen. Nun erkennen sie in Leila eben jene Geliebte. Nadir und Leila brechen ihre Schwüre und werden zum Tode verurteilt. Im entscheidenden Moment greift Zurga ein: Er erinnert sich, dass Leila ihm einst das Leben rettete, überwindet seine Eifersucht und ermöglicht den Liebenden die Flucht.
Les Pêcheurs
de perles
Handlung
An der Küste Ceylons versammelt sich eine Gemeinschaft von Perlenfischern, deren Arbeit von großen Gefahren begleitet ist.
Um sich vor den Risiken des Meeres zu schützen, vertrauen sie auf rituelle Beschwörungen und bestimmen sowohl ihren Anführer als auch eine Priesterin, deren Gebete ihnen Schutz gewähren sollen. In dieser Zeremonie wird Zurga an die Spitze der Gemeinschaft gestellt.
In diesem Moment kehrt auch Nadir zurück, ein Jugendfreund Zurgas, von dem er lange getrennt war. Die Wiederbegegnung ist von Vertrautheit geprägt, doch bald wird die Erinnerung an ihre gemeinsame Vergangenheit wach: Beide hatten sich einst in eine verschleierte Frau verliebt und geschworen, ihrer Freundschaft zuliebe auf sie zu verzichten.
Mit dem Erscheinen der Priesterin Leïla erhält diese Erinnerung unerwartete Gegenwart. Während sie für die Gemeinschaft eine unnahbare, verschleierte Gestalt bleibt, erkennt Nadir sie an ihrer Stimme als jene Frau von damals wieder – ein Erkennen, das zunächst unbemerkt bleibt. Auch Leïla erkennt Nadir. Ihre wiederauflebenden Gefühle stellen sowohl den einstigen Schwur als auch Leïlas Gelübde infrage.
Leïla wird vom Hohepriester Nourabad und den Fakiren bewacht und an ihr Gelübde erinnert, das ihr ein Leben in Abgeschiedenheit und Enthaltsamkeit vorschreibt. Um ihre Standhaftigkeit zu bekräftigen, erzählt sie von einer Begebenheit aus ihrer Kindheit: Sie hatte einst einen verfolgten Mann verborgen und trotz drohender Strafe nicht verraten; zum Dank erhielt sie von ihm eine Halskette, die sie bis heute bei sich trägt.
Als Leïla allein ist, erscheint Nadir heimlich bei ihr. Zwischen beiden entspinnt sich ein Wiedersehen, in dem Erinnerung und gegenwärtige Sehnsucht ineinandergreifen. Leïla versucht zunächst, ihn fortzuschicken und an ihre Pflicht zu erinnern, doch die Anziehung zwischen ihnen erweist sich als stärker. Schließlich gestehen sie einander ihre Liebe und geben den Gefühlen nach, die sie längst nicht mehr verleugnen können.
Ihr Zusammentreffen bleibt jedoch nicht verborgen. Nourabad alarmiert die Fischer, und Leïla und Nadir werden entdeckt. Die Gemeinschaft reagiert mit Empörung auf den Bruch der religiösen Ordnung. Ein Sturm zieht auf, der als Zeichen göttlichen Zorns gedeutet wird.
Zurga, der als Anführer über das Schicksal der beiden zu entscheiden hat, versucht zunächst, Milde walten zu lassen. Doch als Leïlas Schleier fällt und er in ihr die Frau aus der gemeinsamen Vergangenheit erkennt, schlägt seine Haltung in Eifersucht um. Er bestätigt das Todesurteil.
Zurga bleibt mit seiner Entscheidung allein zurück. Als Leïla zu ihm geführt wird, bittet sie nicht um ihr eigenes Leben, sondern um das Nadirs.
Auf dem Weg zur Hinrichtung übergibt sie einem der Fischer ihre Halskette mit der Bitte, sie ihrer Mutter zurückzubringen.
Als Zurga die Kette in den Händen hält, erkennt er in ihr das Geschenk wieder, das er einst selbst dem Kind gegeben hatte, das ihm das Leben rettete. In diesem Moment begreift er, dass Leïla eben jene Retterin ist. Die Erinnerung an diese Begegnung verändert seinen Blick auf das Geschehen grundlegend und durchkreuzt die Entscheidung, die er zuvor getroffen hat.
Während die Fischer sich zur Hinrichtung versammeln, setzt Zurga das Dorf in Brand. In der entstehenden Unruhe verlassen die Männer den Ort, um ihre Familien zu retten. Die Auflösung der Situation nutzt Zurga, um Leïla und Nadir zur Flucht zu verhelfen.
Er selbst bleibt zurück und stellt sich den Folgen seines Handelns.
Aufgrund des Verlustes der Partitur lassen sich die Absichten des erst 25-jährigen Bizet, den entlegenen Schauplatz musikalisch zu rahmen, vor allem aus Rhythmik und Harmonik der großen Chorszenen erahnen. Als Erneuerung des Treueschwures zwischen Nadir und Zurga steht das berühmte Duett Au fond du temple saint sowohl thematisch als auch musikalisch im Zentrum des Werks.
So selten die Perlenfischer nach der Uraufführung am 30. September 1863 gespielt wurden, so häufig wurde der Schluss des dritten Aktes geändert. Bei fast jeder der Wiederaufnahmen und Neuproduktionen im Verlauf des 19. Jahrhunderts mussten dabei andere Hauptfiguren auf eine jeweils neue Weise zu Tode kommen. Mittlerweile ist es üblich, wieder Bizets Urfassung zu spielen, von der allerdings keine Partitur, sondern nur der Klavierauszug erhalten ist, weswegen gerade in der Instrumentierung mit Rekonstruktionen gearbeitet werden muss.
Eine Koproduktion mit dem Teatr Wielki – Opera Narodowa.