Über das Werk
Die beiden Kurzopern Eine Florentinische Tragödie und Herzog Blaubarts Burg sind inhaltlich durch eine zentrale Thematik verbunden: Es geht um das fortschreitende Erkennen des nur scheinbar vertrauten Gegenübers.
In Zemlinskys Eine Florentinische Tragödie mündet die Ermordung von Biancas Geliebtem durch ihren eifersüchtigen Gatten Simone in einem Dialog der beiden Eheleute, der ganz überraschend einen neuen Liebesbeginn signalisiert.
In Bartóks Einakter wird Judiths Reise zu den inneren Abgründen des von ihr geliebten Herzog Blaubart – symbolisiert durch das Öffnen sieben geheimnisvoller Türen – hingegen in Dunkelheit und Einsamkeit enden.
Obwohl nahezu zur selben Zeit entstanden, bieten die zwei Stücke des Abends, Eine Florentinische Tragödie und Herzog Blaubarts Burg, vollkommen unterschiedliche Klangwelten, was dieser Kombination einen zusätzlichen Reiz verleiht. In Herzog Blaubarts Burg, vom Librettisten Béla Balázs als Mysterium bezeichnet, hört man den Einfluss der französischen Impressionisten ebenso heraus wie Béla Bartóks Beschäftigung mit der osteuropäischen Volksmusik. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Orchester, das hier die eigentliche Hauptrolle übernimmt und die emotionale Berg- und Talfahrt der Akteure ebenso schildert wie die eigentliche Erzählung des Dramas. Den beiden Handelnden, Judith und dem Herzog, kommt über große Strecken der Part einer kommentierenden Deklamation zu.
In Alexander Zemlinskys Eine Florentinische Tragödie blüht dem Publikum, von Oscar Wildes bildreicher Dichtung inspiriert, eine ungemein üppige Orchesterpracht entgegen, die zwischen der Spätromantik und der Moderne changierend, klar von Johannes Brahms, Gustav Mahler und Richard Strauss beeinflusst wurde.
An der Wiener Staatsoper wurden Eine Florentinische Tragödie und Herzog Blaubarts Burg jeweils erst ein einziges Mal produziert: Eine Florentinische Tragödie kam im Uraufführungsjahr 1917 auf eine einzige Vorstellungsserie, und Herzog Blaubarts Burg erreichte zwischen 1985 und 1989 lediglich neun Vorführungen. Die Neuproduktion bringt somit beide Werke nach langer Pause wieder zurück ins Repertoire des Hauses. Und das in einer Besetzung mit geradezu ikonischen Sängerpersönlichkeiten der Opernwelt. So wird Asmik Grigorian beide Frauenrollen übernehmen und dadurch eine zusätzliche Verbindung zwischen den Stücken schaffen. Als Herzog Blaubart kehrt Florian Boesch zurück, und als Simone wird Christopher Maltman mit einer weiteren Partie auf dieser Bühne zu erleben sein.
