Über die Gala
Die Ballett-Gala zum Saisonabschluss 2027 bietet einen vielseitigen Einblick in das außergewöhnliche choreografische Werk des bedeutenden Tanzkünstlers Jerome Robbins.
The Four Seasons von 1979 ist eine temperamentvolle Auseinandersetzung mit der Musik von Giuseppe Verdi. Robbins verwandelt die vier Jahreszeiten in brillante Tanzbilder voller Eleganz, Energie und Farben. In Other Dances (1976), getanzt zu Klavierstücken von Frédéric Chopin, entfaltet sich ein intimes Pas de deux von poetischer Schönheit und feiner musikalischer Sensibilität. Interplay ist eine der ersten Choreografien von Robbins, die er 1945 zur Uraufführung gebracht hat und seine frühe, von amerikanischer Lebensfreude geprägte Handschrift zeigt. Zu jazzig angehauchter Musik von Morton Gould entfaltet sich ein lebendiges Spiel jugendlicher Dynamik, rhythmischer Präzision und lässiger Eleganz.
Mit A Suite of Dances (1994) schuf Robbins ein Meisterwerk für einen Solotänzer. Zu den Suiten für Violoncello von Johann Sebastian Bach entsteht ein intimer Dialog zwischen Tanz und Musik – konzentriert, von lyrischer Einfachheit und doch virtuos, dabei zutiefst menschlich. Den humorvollen Abschluss bildet The Concert von 1956, ein charmantes Ballett voller Situationskomik und pointierter Ironie. Zu Musik von Chopin persifliert Robbins die Welt des Konzertsaals und zeigt mit feinem Witz deren Eigenheiten.
Easy des Resident Choreographer des New York City Ballet Justin Peck ist eine energiegeladene und farbenfrohe Hommage an Jerome Robbins und seine spielerische Herangehensweise an Choreografie. Zur jazzigen Musik von Leonard Bernstein ist das Werk eine spannende Erweiterung des Galaprogramms, das auch zeigt, wie Robbins’ künstlerisches Erbe fortgelebt wird.
Jerome Robbins’ Werke zeichnen sich durch eine außergewöhnlich enge Verbindung von Bewegung und Musik aus, in der Rhythmus, Struktur und emotionale Nuancen der Partitur unmittelbar in die Choreografie übersetzt werden. Dabei verstand Robbins Musikalität nicht nur als exaktes »Zählen«, sondern als tiefes Erfassen von Stimmung, Dynamik und innerer Dramaturgie der Kompositionen, die er in fein differenzierte, natürlich anmutende Bewegungen überführte. Das Gala-Programm gibt Einblicke in Robbins’ intensive Auseinandersetzung mit diversen Komponisten und macht sein Verständnis der Beziehung von Tanz und Musik deutlich.
»Jerome Robbins zählt zu den prägenden Persönlichkeiten der Tanzgeschichte. Als Choreograf und Meister seines Fachs hat er das Ballett des 20. Jahrhunderts durch seine unverwechselbare Handschrift entscheidend mitgestaltet. Die Gala bietet die besondere Gelegenheit, ausgewählte Werke aus seinem reichen Œuvre zu präsentieren und sein künstlerisches Vermächtnis bewusst zu feiern. Denn eine Gala ist mehr als eine Aneinanderreihung von Stücken – sie ist eine Hommage: an große Choreografinnen und Choreografen, an bedeutende Werke und nicht zuletzt an die Compagnie, die sie auf der Bühne zum Leben erweckt. Robbins war ein außergewöhnlich raffinierter Künstler. Er verband Jazz, Broadway und klassisches Ballett zu einer einzigartigen choreografischen Sprache. Sein Stil war unverkennbar und geprägt von Musikalität, Eleganz und Präzision, zugleich aber auch von feinem Humor, Menschlichkeit und emotionaler Tiefe. Gerade diese Vielschichtigkeit macht seine Arbeiten bis heute lebendig und berührend – für Tänzerinnen und Tänzer ebenso wie für das Publikum.« (Alessandra Ferri)
