Maurice Béjart
Maurice Béjart, 1927 in Marseille geboren, begann seine Karriere als Tänzer 1946 in Vichy und setzte sie bei Janine Charrat, Roland Petit und vor allem beim International Ballet London fort. Bei einer Tournee durch Schweden mit dem Cullberg Ballet (1949) entdeckte er für sich das Choreografieren. Zusammen mit dem Schriftsteller Jean Laurent gründet er Mitte der 50er Jahre in Paris Les Ballets de l’Étoile, aus denen 1957 das Ballet Théâtre de Paris hervorgeht mit Béjart als Zentrum beider Truppen: als künstlerischer Direktor, Choreograf und Starsolist in Personalunion. Mit der 1955 entstandenen Symphonie pour un homme seul verließ er eingetretene Pfade: Nicht nur wie er die Thematik des einsamen Menschen für die Ballettbühne fasste, war neu, sondern auch die Arbeit zu Musique concrète von Pierre Henry und Pierre Schaeffer
Vier Jahre später brachte Béjart im Auftrag von Maurice Huisman, dem neuen Direktor des Théâtre Royal de la Monnaie, ein Sacre du Printemps heraus, das sein erster großer Triumph werden sollte. Ein Jahr später gründete Béjart in Brüssel das Ballet du XXe Siècle, mit dem er bald schon die ganze Welt bereiste und für das er eine ganze Reihe von Werken schuf, darunter Boléro, Messe pour le temps und L'Oiseau de Feu. In Brüssel entstand 1971 außerdem auch Le chant du compagnon errant – kreiert für die beiden herausragenden Tänzer Rudolf Nurejew und Paolo Bortoluzzi.
1987 übersiedelte Béjart mit seinem Ensemble, das sich seither Béjart Ballet Lausanne nennt, an den Genfer See. 1992 beschloss er, die Größe der Compagnie auf ca. 30 Tänzerinnen und Tänzer zu reduzieren, um in einer engeren Arbeit mit ausgewählten Interpreten stärker »zur Essenz« vorzudringen. Im selben Jahr gründete er die École-Atelier Rudra Béjart Lausanne, zehn Jahre später die Compagnie M für junge Tänzerinnen und Tänzer.
Zu den zahlreichen Balletten, die für das Béjart Ballet Lausanne entstanden, zählen Le Mandarin merveilleux, King Lear – Prospero, À propos de Shéhérazade, Lumière, Mutation X, La Route de la soie, Le Manteau, Enfant‑Roi, La Lumière des eaux sowie Le Presbytère n’a rien perdu de son charme, ni le jardin de son éclat. Béjart arbeitete aber auch als Theaterregisseur (La Reine verte, Casta Diva, Cinq Nô modernes, A‑6‑Roc), inszenierte Opern (Salome, La Traviata, Don Giovanni), realisierte Kinofilme (Bhakti, Paradoxe sur le comédien) und veröffentlichte zahlreiche Bücher. 2007 brachte er das autobiografische Stück La Vie du danseur heraus, erzählt von den beiden Comicfiguren Zig et Puce.
Während der Arbeit an seinem letzten Werk, Le Tour du monde en 80 minutes, starb Maurice Béjart im November 2007 im Alter von 80 Jahren in Lausanne.