Zwischen Noten & Notenbank
Interview |
Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) engagiert sich neben ihren Kernaufgaben als Notenbank der Republik Österreich auch für die heimische Kunst und Kultur. Mit ihrer Sammlung historischer Streichinstrumente leistet sie einen wichtigen Beitrag dazu, die Klangfülle der österreichischen Musiklandschaft zu bewahren und weiter zu bereichern. Die Instrumente sind an Musiker:innen verliehen – darunter neun der insgesamt 46 an Mitglieder der Wiener Philharmoniker.
Sowohl 1989 als auch heute erfordert die Weiterentwicklung dieser außergewöhnlichen Sammlung klare Entscheidungen und den Willen, kulturelles Engagement als Bank aktiv zu tragen. Seit 1. Juli 2025 liegt diese Verantwortung bei Josef Meichenitsch, der als Direktor die Bereiche Zahlungsverkehr, IT, Finanzbildung und Kultur leitet. Chiara Galbusera, Kuratorin der Sammlung, spricht mit Josef Meichenitsch über den Stellenwert der Instrumentensammlung und darüber, wie die OeNB ihre Rolle auch im kulturellen Leben des Landes definiert.
Innerhalb deines vielfältigen Verantwortungsbereichs sticht die Sammlung deutlich hervor. Wie gestaltete sich deine erste Begegnung mit den historischen Streichinstrumenten? Hat dich etwas überrascht?
Die Nationalbank veranstaltet gemeinsam mit dem Radiosender Ö1 spezielle und kostenlose Konzerte für Kinder. Musikerinnen und Musiker, die unsere Instrumente nutzen, spielen vor ganz jungem Publikum. Es wird sehr lebhaft erklärt, welche Geschichten hinter den Musikstücken stehen. Wenn die Kinder dann mit großen Augen begeistert schauen, ist das schon etwas Besonderes. Das war der erste offizielle Anlass, bei dem ich als verantwortlicher Direktor die Sammlung sozusagen begleitet habe. Überrascht hat mich die starke emotionale Bindung der Künstlerinnen und Künstler an ihre Instrumente. Da wird über eine Geige gesprochen wie über ein Familienmitglied oder eine langjährige Freundschaft. Ich spiele selbst kein Instrument, ich konnte das also nicht aus eigener Erfahrung nachvollziehen. Das hat mich überrascht und berührt.
Welche Bedeutung misst du der Sammlung im Gesamtauftrag der OeNB bei – und worin siehst du ihren besonderen Wert für die Öffentlichkeit?
Den Satz »Österreich ist eine Kulturnation« hat jeder und jede von uns schon zigfach gehört. Er wird gelassen ausgesprochen, man ist an den Klang gewöhnt. Was man dabei nie vergessen sollte, ist, dass es Menschen gibt, die jeden Tag hart an diesem Ruf als Kulturnation arbeiten. Österreichische und in Österreich lebende Musikerinnen und Musiker investieren Herzblut, Leidenschaft und Disziplin und gehören darum zu den besten der Welt. Als Nationalbank ist es uns eine Ehre, dass wir sie dabei unterstützen können, indem wir Instrumente bereitstellen, die diesem persönlichen Einsatz gerecht werden. Dadurch, dass wir die Instrumente verleihen, machen wir sie auch für die Öffentlichkeit zugänglich und erlebbar. Diese wertvollen Stücke sind für die Musik gemacht, nicht für eine Vitrine oder einen Tresor.
Diese Instrumente stammen aus vergangenen Jahrhunderten und werden bis heute, trotz aller Innovationen, in Handarbeit und in nahezu gleicher Form gebaut. Diese Beständigkeit finde ich beruhigend in diesen bewegten Zeiten. Wie wichtig ist dir der Gedanke, dieses kulturelle Erbe auch für kommende Generationen zugänglich zu halten?
Wir leben in einer Zeit, in der man nicht mehr sicher weiß, ob die Musik, die man gerade hört, von einem echten Menschen komponiert oder eingespielt wurde oder ob eine künstliche Intelligenz dahintersteht. Historische Instrumente und das über Generationen weitergegebene Handwerk sind da ein spannender Gegenpol. Die Kunstfertigkeit und die Leidenschaft, die Menschen aufbringen, kann man nicht durch eine schlaue Maschine ersetzen. Ich glaube, es ist gut, wenn wir ab und zu daran erinnert werden. Darum bekennen wir uns als Nationalbank auch bewusst dazu, diese Instrumente zu bewahren und die Sammlung auch zu erweitern, wenn die Rahmenbedingungen passen. Künftige Generationen sollen sie spielen, hören und erleben können.