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Politik durch Poesie

Interview |

Regisseur Jan Lauwers im Interview

Der Re­gis­seur Jan Lauwers über die not­wen­di­ge Dis­tanz des Künst­lers zur Welt, die Gü­te in der heu­ti­gen Ge­sell­schaft und war­um er manch­mal Mozart ist.

Hei­mi­to von Doderer schrieb einst, dass Po­li­zis­ten, Ärz­te und Schrift­stel­ler ei­nes ver­bin­det: dass sie die Welt zei­gen, wie sie ist und nicht, wie man sie sich wünscht. Wie sieht es dies­be­züg­lich mit Re­gis­seu­ren aus?

Ich fin­de, dass es heu­te wich­tig ist, ei­nen an­thro­po­lo­gi­schen Blick­win­kel zu ha­ben, die Mensch­heit aus ei­ner Dis­tanz zu be­trach­ten. Mehr und mehr füh­le ich mich al­so wie ei­ner, der von ei­nem an­de­ren Pla­ne­ten kommt und uns Men­schen ken­nen­lernt. Und sich denkt: Ah, das ist al­so die Mensch­heit! Ah, so ver­hal­ten sie sich! Wie auf­re­gend! Da­mit geht ein­her, dass ich als Künst­ler kei­ne mo­ra­li­sche Po­si­ti­on ein­neh­men will, son­dern ein­fach nur be­ob­ach­te. Ein we­nig wie Shakespeare, der auch kei­ne wer­ten­de Stel­lung wähl­te. Heu­te wird das üb­ri­gens oft­mals an­ders ge­se­hen, ge­ra­de bei jun­gen Künst­le­rin­nen und Künst­lern, da geht es sehr stark um ei­ne mo­ra­li­sche Po­si­ti­on, um per­sön­li­che Be­find­lich­kei­ten oder die Selbst­wahr­neh­mung als Op­fer. Ich hin­ge­gen hal­te es mit Tschechow, der mein­te, dass man als Künst­ler kalt wie Eis sein müs­se: eben, um zu ana­ly­sie­ren. Manch­mal aber über­nimmt das So­zia­le die Ober­hand in der Kunst: dann spre­chen wir über Ak­ti­vis­mus. Ver­ste­hen Sie mich nicht falsch! Es ist wich­tig, ein Ak­ti­vist zu sein, und es ist wich­tig, ein Ak­ti­vist in der Ge­sell­schaft zu sein. Aber in der Kunst emp­fin­de ich die poe­ti­sche Kraft wich­ti­ger als die po­li­ti­sche. La clemenza di Tito ist dem­nach für mich ei­ne poe­ti­sche Ant­wort auf ei­ne kor­rum­pier­te Po­li­tik der Ge­gen­wart.

Sie wir­ken mit Ih­rer Needcompany-Trup­pe zu­meist nicht in Re­per­toire­the­a­tern wie der Wiener Staatsoper, die auf­grund ih­res Re­per­toire­be­triebs sehr kla­re Ab­läu­fe und For­men hat und ha­ben muss.

Ja, ich ar­bei­te in sehr un­ter­schied­li­chen In­sti­tu­tio­nen. Dass die­ses Haus hier zu den wich­tigs­ten welt­weit ge­hört, wis­sen wir al­le, und es gibt hier, auch das wis­sen wir, ei­ne gro­ße Tra­di­ti­on, die ich sehr schät­ze. Aber ich se­he es als Teil mei­ner Auf­ga­be, Tra­di­tio­nen zu hin­ter­fra­gen. Kei­nes­falls auf ei­ne bil­der­stür­me­ri­sche Art und Wei­se. Aber doch: hin­ter­fra­gen. Weil Fra­gen mei­ne Lei­den­schaft ist! So kann es durch­aus vor­kom­men, dass ich ei­ne an­de­re Sicht auf Mozart ha­be als an­de­re an die­ser Pro­duk­ti­on be­tei­lig­te Künst­le­rin­nen und Künst­ler. Aber das ist gut so!

Ein be­lieb­tes Dis­kus­si­ons­the­ma ist die Ein­schät­zung die­ser Oper – ein Auf­trags­werk ei­nes Kai­sers, ei­ne Hul­di­gungs­oper. Wie stand Mozart Ih­rer Mei­nung nach zu ihr?

Ich den­ke, dass Mozart die­ses Werk schrei­ben muss­te, die her­kömm­li­che Form aber nicht schätz­te. Er woll­te kei­ne Opera seria, son­dern ei­ne »Opera vera«, ei­ne wah­re Oper, wie er es nann­te, ver­fas­sen. Ihm ging es um kei­ne fi­na­le Ver­klä­rung ei­nes Herr­schers, son­dern um ein rea­lis­ti­sches, un­ver­stell­tes Por­trait von Men­schen. Vor­hin nann­te ich Shakespeare: ge­nau das ist es. Hier ist Mozart wie Shakespeare! Man­ches wirkt in La clemenza di Tito enorm zeit­ge­nös­sisch, et­wa, wie mit ei­ner Dis­kus­si­on di­rekt in die Hand­lung ein­ge­stie­gen wird. Nur kei­ne Zeit ver­lie­ren! Di­rekt ins Ge­sche­hen hin­ein! Mozart woll­te ech­te Per­so­nen zei­gen, ech­te Si­tua­tio­nen, ech­tes Le­ben. Was se­hen wir et­wa? Ei­nen Kai­ser, der sagt: Ich brau­che ein an­de­res Herz. Der sich fragt: Kann ich ein Po­li­ti­ker sein mit Lie­be oder mit Angst? Auf die­se Fra­ge gibt es in der Oper üb­ri­gens kei­ne Ant­wort. Denn Tito ver­sagt. Die Kon­ven­ti­on er­for­der­te im 18. Jahr­hun­dert, dass die­se Opera seria mit ei­nem Hap­py End auf­hört. Aber es ist ein fal­sches Hap­py End. Es gibt kein ech­tes Glück am En­de.

Rea­lis­ti­sche Per­so­nen be­deu­tet, dass sim­ple Sche­ma­ta von Gut und Bö­se nicht mehr grei­fen.

Neh­men wir Sesto. Er ist der bes­te Freund des Kai­sers, gleich­zei­tig ver­sucht er, ihn zu er­mor­den. Bei die­ser Fi­gur be­mü­hen wir uns ge­mein­sam mit der wun­der­vol­len Emily D’Angelo, ei­nen Cha­rak­ter zu ent­wi­ckeln, in den man sich ver­liebt – und im sel­ben Au­gen­blick ist uns klar, dass es Un­sinn ist, ei­nen sol­chen Zu­gang ver­kau­fen zu wol­len. Denn Sesto ist ein Mör­der. Und doch ist er zu­tiefst mehr­deu­tig …

Aber ist es Vitellia auch? Das Bö­se ist bei ihr sehr of­fen­sicht­lich.

Je­de und je­der ist mehr­deu­tig. Auch Vitellia. Wir müs­sen uns fra­gen: War­um will sie die Macht so sehr? War­um ist sie so be­ses­sen von et­was, das ihr das Le­ben zer­stö­ren kann? Ant­wort: Weil sie von fal­schen Vor­stel­lun­gen ma­ni­pu­liert wur­de. Von Bil­dern der Macht, des Reich­tums. Aber wir al­le wer­den ma­ni­pu­liert … Wie vie­le den­ken, dass sie mit viel Geld glück­li­cher wer­den wür­den. Aber das stimmt so nicht, wir wä­ren viel frei­er, wenn je­der mehr oder we­ni­ger gleich viel hät­te.

Jetzt ist La clemenza di Tito doch ein sehr po­li­ti­sches Werk.

Die Grund­fra­ge lau­tet hier na­tür­lich: Wel­chen Wert hat Cle­men­za, ha­ben al­so Gü­te und Mil­de heu­te? Wir stel­len lei­der fest, dass wir in ei­ner Zeit le­ben, in der es das al­les nicht mehr gibt. Viel­mehr ist es so, dass die De­mo­kra­tie hin­ter­fragt und zer­stört wird und ei­ne ab­so­lu­te De­mo­kra­tie die Macht über­nom­men hat. Dar­un­ter ver­ste­he ich, dass die Mehr­heit ab­so­lut re­giert und sie die Min­der­heit un­ter­drückt, statt sie zu be­schüt­zen. Das wird un­ter­stützt durch die We­ni­gen, die das ge­sam­te Geld der Welt be­sit­zen – al­les Män­ner, kei­ne Frau­en –, und da­zu kom­men die so­zia­len Me­di­en, die die Men­schen ma­ni­pu­lie­ren.

Ih­re Clemenza-In­sze­nie­rung zielt al­so auf das Heu­te.

Ja, aber ich will kei­nen an­ek­do­ti­schen Zu­gang wäh­len, ich will kei­ne di­rek­ten Bil­der le­ben­der Po­li­ti­ker zei­gen, son­dern mich ganz auf die Poe­sie kon­zen­trie­ren, die dar­in be­steht, mit den Sän­gern Kon­flik­te auf der Büh­ne zu zei­gen. Ich will das auf ei­ne sehr mi­ni­ma­lis­ti­sche Wei­se ma­chen, im De­tail ar­bei­ten.

Stel­len wir die Ge­gen­fra­ge. Wann gab es in der Po­li­tik je­mals Cle­men­za?

Das ist ei­ne sehr gu­te Fra­ge. Ich bin kein His­to­ri­ker, aber ich wür­de sa­gen, es gab et­wa in der grie­chi­schen An­ti­ke ei­ne Zeit, in der sie gro­ße Be­deu­tung hat­te. Dann kam Spar­ta, Spar­ta mit sei­ner Macht. Es hieß: Athen ge­gen Spar­ta. Und sie ging ver­lo­ren. Ja, viel­leicht ver­liert die Mensch­heit ih­re Gü­te im­mer wie­der, lau­fend. Heu­te hat der Ex­trem­ka­pi­ta­lis­mus ein sol­ches Ni­veau er­reicht, dass sich ihm kei­ne Macht mehr ent­ge­gen­stel­len kann. In den letz­ten Jah­ren hat sich so viel ge­än­dert: Heu­te re­giert die Angst, und Mil­de und Gü­te sind nichts als alt­mo­di­sche Wor­te, die von ei­nem Dich­ter er­fun­den wur­den und die heu­te nicht mehr ver­stan­den wer­den. Im 20. Jahr­hun­dert, bei Nelson Mandela, ha­ben wir noch Cle­men­za er­lebt, denn er war 25 Jah­re in Ein­zel­haft und dann ver­gab er den wei­ßen Fol­te­rern. Gandhi hat­te Cle­men­za. Aber vie­le Bei­spie­le fal­len mir ehr­lich ge­sagt nicht ein.

Aber kön­nen wir die Oper nicht mit dem An­spruch ei­ner Uto­pie le­sen? Ein Herr­scher ver­zeiht, er hat die Macht zu be­stra­fen, tut es aber nicht.

Titus schenkt Gü­te, aber die Welt ist ka­putt. Und es geht nur um ihn, um den Dik­ta­tor. Es gibt aber kei­nen gu­ten Dik­ta­tor. Gu­te Staats­len­ker: ja. Aber kei­ne gu­ten Dik­ta­to­ren.

»Für mich sind alle Personen, die auf der Bühne sind, Energiequellen. Das bezieht sich gleichermaßen auf die Sänger, die Tänzer und auf den Chor; meine Aufgabe ist es, diese Quellen in ein gutes Verhältnis und in eine Balance zu bringen.«

Sie sind nicht nur The­a­ter­ma­cher, son­dern auch ein bil­den­der Künst­ler, der in der Vor­be­rei­tung auf ei­ne Pro­duk­ti­on zu Pin­sel und Stif­ten greift. Bei der Staats­opern-Pro­duk­ti­on von Le Grand Macabre mal­ten Sie in Ih­rer Vor­be­rei­tungs­pha­se als al­ler­ers­tes ei­nen Teu­fel und dann ei­nen Clown. Was war es dies­mal?

Das Ers­te war Gold. Ich ar­bei­te­te mit die­ser Far­be und sie führ­te zum In­te­ri­eur des Pa­las­tes und zu den Kos­tü­men. Ich ver­wen­de Gold als pro­vo­ka­ti­ve Far­be, als be­lei­di­gen­de Far­be. Ein zwei­ter As­pekt ist, dass ich je­den Tag ei­ne Zeich­nung, ein Aqua­rell oder ein Ge­mäl­de an­fer­ti­ge, das mit ak­tu­el­len Ta­ges­nach­rich­ten ver­knüpft ist. So ha­be ich vie­le Land­schaf­ten aus der Ukrai­ne ge­malt, aber auch Bil­der nach Droh­nen-Auf­nah­men der Zer­stö­rung durch Bom­ben­an­grif­fe. Man wird ei­ne Aus­wahl die­ser Bil­der als Pro­jek­tio­nen im Büh­nen­bild er­le­ben. Und weil ich vor­hin über Kunst und Po­li­tik sprach: Ich wur­de ge­be­ten, in die Ukrai­ne zu kom­men, um dort Work­shops zu ver­an­stal­ten – und ich wer­de es ma­chen. Es gibt dort ei­ne ganz an­de­re Be­deu­tung der Kunst als hier an der Staatsoper oder bei Needcompany. Wir ver­su­chen, Schön­heit und Poe­sie zu schaf­fen. In an­de­ren Län­dern wie der Ukrai­ne gibt es ei­ne un­ge­mei­ne Dring­lich­keit. Ich ver­su­che, hier ei­ne Ba­lan­ce zu fin­den. Es ist sehr schwie­rig, aber ich hof­fe, un­se­rer Clemenza-Pro­duk­ti­on ein we­nig von dem zu ge­ben, was au­ßer­halb der Staatsoper ge­schieht.

Sie er­wei­tern die Sän­ger­be­set­zung durch ei­ne Grup­pe von Tän­ze­rin­nen und Tän­zern. Wel­che Funk­ti­on ha­ben die­se? Sind sie ein kom­men­tie­ren­der Chor? Ei­ne Ver­dopp­lung der han­deln­den Fi­gu­ren?

Für mich sind al­le Per­so­nen, die auf der Büh­ne sind, En­er­gie­quel­len. Das be­zieht sich glei­cher­ma­ßen auf die Sän­ger­be­set­zung, die Tän­ze­rin­nen und auf den Chor; mei­ne Auf­ga­be ist es, die­se Quel­len in ein gu­tes Ver­hält­nis und in ei­ne Ba­lan­ce zu brin­gen. Mit­un­ter ist die Büh­ne voll von Men­schen, dann wie­der­um ist sie fast leer – und ge­ra­de die­se Lee­re er­zeugt für mich den größ­ten Aus­druck und ist die größ­te Kraft. Wir er­zäh­len mit den Sän­gern die Ge­schich­te von Titus, wir zei­gen die Kon­flik­te zwi­schen den han­deln­den Fi­gu­ren, aber durch die Tän­ze­rin­nen und Tän­zer gibt es die Mög­lich­keit, noch mehr zu bie­ten und die sie um­ge­ben­de Welt auf­zu­fä­chern. Da für mich die Büh­ne stets wie ein Ge­mäl­de ist, will ich die­sem durch die wich­ti­ge poe­ti­sche Kraft des Tan­zes zu­sätz­li­che Deu­tungs­ebe­nen ge­ben.

Ein wei­te­res Ele­ment, das Sie auch dies­mal ein­set­zen, ist Live-Vi­deo. Man er­lebt Sesto aus ex­tre­mer Nä­he. Ver­su­chen Sie so, den Blick des Zu­schau­ers zu len­ken? Ein: Da musst du hin­schau­en, das ist wich­tig!?

Wir zei­gen zwei Mo­men­te, die ei­ne ge­wis­ser­ma­ßen frem­de Äs­the­tik ins Spiel brin­gen. Zu­nächst ein­mal die be­rühm­te Odes­sa-Trep­pen­sze­ne aus Sergej Eisensteins Film Panzerkreuzer Potemkin, und dann eben ei­ne Live-Se­quenz. Man sieht Sesto, wie er ge­fan­gen ist, ge­fol­tert wird – wir sind da­bei sehr na­he an sei­nem Ge­sicht, se­hen den Schmerz, er­le­ben ihn, wie er al­lei­ne sein möch­te, aber als Schul­di­ger in die Öf­fent­lich­keit ge­zerrt wird. Und es ist na­tür­lich auch ein Hin­weis auf die Pa­pa­raz­zi, die sich sen­sa­ti­ons­lüs­tern an ihm wei­den. Kein an­ge­neh­mer An­blick üb­ri­gens, aber es soll ja auch kein mo­di­sches, ge­fäl­li­ges Vi­deo sein, son­dern un­ter die Haut ge­hen. Im Mo­ment ar­bei­te ich noch an die­ser Se­quenz und weiß noch nicht ein­mal, ob ich sie nicht ver­wer­fe. Die­se Frei­heit las­se ich mir, ein­zel­ne Ele­men­te viel­leicht so­gar im letz­ten Au­gen­blick zu än­dern oder weg­zu­las­sen.

Wenn Sie sich Op­tio­nen wie ei­ne Strei­chung ei­nes Ele­ments bis zu­letzt of­fen­las­sen: Su­chen Sie bei Ih­rer Ar­beit nicht auch nach Si­cher­heit? Nach ei­nem Punkt im Pro­duk­ti­ons­pro­zess, an dem Sie sa­gen: Das ist un­ver­än­der­lich.

Nein, und das macht für mich eben Kunst aus! Man muss es sich un­be­quem ma­chen. Man muss Din­ge in­fra­ge stel­len. Sons­t fällt man in ei­ne Rou­ti­ne und fängt an, sich selbst gut zu fin­den. Da­her möch­te ich Ent­schei­dun­gen bis zum letz­ten Mo­ment of­fen­hal­ten, wie­wohl ich na­tür­lich weiß, dass es für man­che in der Pro­duk­ti­on schwie­rig ist, weil sie an­de­re Ar­beits­wei­sen ge­wohnt sind. Un­ter dem Strich aber fin­den wir so zu ei­ner gro­ßen Krea­ti­vi­tät und Frei­heit. Und dar­auf kommt es mir an. Ob nun ei­ne Per­son auf der Büh­ne links steht oder rechts, das ist für mich kei­ne gro­ße Fra­ge, das kann ein­mal so und am nächs­ten Tag an­ders sein. Zen­tral ist, dass die in­ne­re Hal­tung ei­ner Fi­gur gut ge­ar­bei­tet wur­de.

»Wenn ich ein Gemälde von Velázques betrachte, werde ich zu Velázques und sehe sogar die Fehler, die er gemacht hat. Wenn ich eine Oper von Mozart inszeniere, dann werde ich zu Mozart und habe das Gefühl, dass ich ihn am besten kenne, eben, weil ich ganz er bin.«
 

Sie er­zähl­ten vor zwei Jah­ren, dass je­des gu­te Kunst­werk Ihr Le­ben ver­än­dert und Sie et­was lehrt. Was ler­nen Sie aus La clemenza di Tito?

Wenn ich ein Ge­mäl­de von Velázquez be­trach­te, wer­de ich zu Velázquez und se­he so­gar die Feh­ler, die er ge­macht hat. Wenn ich ei­ne Oper von Mozart in­sze­nie­re, dann wer­de ich zu Mozart und ha­be das Ge­fühl, dass ich ihn am bes­ten ken­ne, eben, weil ich ganz er bin. Das geht so weit, dass ich an­de­ren, die mu­si­ka­lisch viel qua­li­fi­zier­ter sind als ich, dar­über er­zäh­le. Ich wä­re da­her durch­aus be­reit, klei­ne Ein­grif­fe in die Par­ti­tur zu wa­gen und ein­zel­ne Ak­kor­de zu strei­chen. Nicht aus Mut­wil­lig­keit, son­dern weil ich da­von über­zeugt bin, dass auch Mozart das heu­te, in un­se­rer Si­tua­ti­on, tä­te. Vie­le den­ken ja: Um­so mehr Mozart, des­to bes­ser. Ich stel­le die­se Hal­tung in­fra­ge. Denn es geht nicht um die Men­ge, es geht um den In­halt. Im­mer um den In­halt!

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