Mein erster Nussknacker
Ballett |
Der Nussknacker zählt seit über 130 Jahren zu den beliebtesten Ballettklassikern des kongenialen Duos Piotr I. Tschaikowski und Marius Petipa nach Märchenstoffen von E. T. A. Hoffmann und Alexandre Dumas dem Älteren und wird bis heute weltweit in verschiedenen Inszenierungen und Interpretationen gezeigt.
Eno Peci, seit dem Jahr 2003 Solotänzer des Wiener Staatsballetts, hat sich ab 2009 dem Choreografieren im In-, aber auch Ausland zugewandt. Er gestaltete u. a. 2018 und 2020 für die Eröffnung des Wiener Opernballs die Einlagen mit Mitgliedern des Wiener Staatsballetts und der Ballettakademie der Wiener Staatsoper, Petruschka an der Volksoper Wien sowie Choreografien mit der Jugendkompanie für das Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker und den Formel-1-Grand-Prix von Österreich in Spielberg.
Mit Mein erster Nussknacker zeigt er nun seine eigene Sicht auf dieses geschichtsträchtige Werk und kreiert gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der Ballettakademie sowie der Jugendkompanie der Wiener Staatsoper eine gut einstündige Version, in der auch Spannung und Humor nicht zu kurz kommen. In seinem sehr körperlich-plastischen Tanzvokabular auf Basis des klassischen Balletts führt er speziell das junge Publikum ab sechs Jahren spielerisch in die Welt des Tanzes ein. Das darstellerische Element ist Peci – selbst ein markanter Interpret – dabei besonders wichtig: »Es wird eine andere Umsetzung des bekannten Stoffes sein, aber ohne das Erzählerische der Komposition zu brechen. Ich versuche auch, viel Witz einzubauen und all das natürlich in meinem eigenen zeitgenössischen Stil.« Die Charaktere gestaltet er dabei sehr menschlich, manche nahezu slapstickartig, und urteilt nicht in Gut und Böse – alle Figuren und Szenen sind letztendlich miteinander verbunden und in die Handlung integriert.
Der rote Faden ist dem Thema entsprechend die Nuss in diversen Formen und Größen sowie natürlich ein Nussknacker, den ein Mädchen namens Klara auf magische Weise erhält. Peci entführt die Zuschauer*innen auf eine fantasievolle Reise zwischen Traum und Realität. Beginnend in einem Nussschokoladen-Geschäft im Besitz des geheimnisvollen Drosselmeyer, gefolgt von buntem Schneetreiben, erlebt eine Schar von Kindern spannende Abenteuer, bei denen diese sogar mutig einen Kampf gegen Einbrecher gewinnt! Als Dank dafür erhalten die Kinder Nüsse aus verschiedenen Ländern der Welt, die durch auch musikalisch mitreißende Tänze der jeweiligen Kulturen – aus Spanien, Arabien, China und Russland – angedeutet werden, gemäß dem Divertissement der großen Ballettklassiker.
Ein Höhepunkt ist der Pas de deux des »Eiskonfekt-Duos« – die Bezeichnung ist angelehnt an das »Königreich der Süßigkeiten« der originalen Fassung –, dem einzigen Tanz von Fantasiefiguren und von der Dame in Spitzenschuhen dargeboten. Ein großes Finale beschließt das Ballett zu vielen bekannten Melodien aus Tschaikowskis meisterhafter Partitur, die so unterschiedliche Stimmungen zu schaffen vermag – darunter der festliche Marsch und der mit Harfenklängen begleitete »Schneeflocken-Walzer«. Eno Peci zeigt, dass sich Tschaikowskis klassische Musik bestens mit zeitgenössischem Tanzvokabular verbinden lässt und erweckt die Geschichte des Nussknackers zu neuem Leben.