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Männer sind vom Mars

Interview |

Der gefeierte Tenor Piotr Beczała singt wieder den Don José in Bizets »Carmen«

Pas­sen Car­men und Don José grund­sätz­lich nicht zu­sam­men oder könn­te es ei­ne Di­men­si­on ge­ben, in der sie »glück­lich bis zu ih­rem En­de« le­ben?

Ich den­ke, dass, wie so oft in der Welt, das Ti­ming das Wich­tigs­te ist. Die bei­den ha­ben sich ein­fach zur fal­schen Zeit ge­trof­fen. Viel­leicht wür­de es ein paar Jah­re spä­ter, wenn Car­men sich aus­ge­tobt hat, klap­pen. Weil sie mei­ner Mei­nung nach grund­sätz­lich schon zu­sam­men­pas­sen: Nicht um­sonst ver­lie­ben sie sich ja in­ein­an­der, aber … der fal­sche Zeit­punkt!

Wel­che Ei­gen­schaf­ten ent­de­cken Sie in sich, die sich mit Don José über­schnei­den?

Ich wür­de sa­gen, dass ich mit ihm sehr we­nig ge­mein­sam ha­be, ich bin eher so in Rich­tung Wer­ther. Viel­leicht gibt es, was sei­ne Ernst­haf­tig­keit und Kon­se­quenz be­trifft, ge­wis­se Be­rüh­rungs­punk­te – aber nicht sehr vie­le. Sein Wahn, die­se Hitz­köp­fig­keit, das ist mir al­les fremd. Ich bin ein­fach bo­den­stän­di­ger als Don José, auch wenn mich na­tür­lich dann und wann et­was auf die Pal­me brin­gen kann.

Sind Car­men und Don José auf län­ge­re Sicht per se be­zie­hungs­taug­lich – wenn sie je­weils den Rich­ti­gen oder die Rich­ti­ge fän­den?

Wie in der ers­ten Fra­ge be­ant­wor­tet: Car­men sucht zur­zeit Aben­teu­er, und Don José will letzt­lich ei­ne Be­zie­hung, das sind zwei ver­schie­de­ne Paar Schu­he. Ich glau­be schon, dass bei­de zu ei­ner Be­zie­hung fä­hig sind, aber, wie ge­sagt, nur wenn das Ti­ming stimmt.

Mit wem wür­den Sie lie­ber ei­nen Abend ver­brin­gen: mit der Fi­gur Car­men oder mit je­ner von Don José?

Das ist ei­ne in­te­res­san­te Fra­ge! Ich fin­de, dass Car­men ei­ne fas­zi­nie­ren­de Frau ist, al­so ja, eher mit ihr! Denn Don José ist für mich ein we­nig scheu und kon­takt­un­wil­lig, das fin­de ich schwie­ri­ger. An­de­rer­seits könn­te es ein in­te­res­san­ter Abend wer­den, wenn ich mit ihm und ei­ner Fla­sche Te­qui­la an der Bar sit­zen wür­de. Da könn­ten sich in­te­res­san­te Ge­sprä­che er­ge­ben.

Gibt es für Sie »den« Mo­ment in der Oper?

Ei­gent­lich mei­ne Blu­men­a­rie. Da of­fen­bart er al­le sei­ne Ge­füh­le. Um­so scho­ckie­ren­der dann, wenn Car­men er­wi­dert: »Nein, du liebst mich nicht!« Da kommt die Ge­schich­te in Fahrt, weil es, au­ßer dem Du­ett am En­de, der ein­zi­ge Mo­ment ist, in dem er sich wirk­lich of­fen­bart. Und zeigt, wel­che Emo­tio­nen ihn um­trei­ben.

Wel­ches Buch wür­den Sie Don José emp­feh­len?

Ir­gend­et­was, was ihn auf den Bo­den bringt und be­ru­higt. Viel­leicht Män­ner sind vom Mars, Frau­en sind von der Ve­nus. Das könn­te ihm hel­fen. Da­nach wür­de er wahr­schein­lich mit Mi­caë­la wei­ter­zie­hen.

Drei Be­grif­fe, die Don José be­schrei­ben?

Er ist ein sehr kon­se­quen­ter Mensch, ein Hitz­kopf, aber auch ehr­lich.

Don José ist in letz­ter Kon­se­quenz ein Ego­ist. Ist das ein As­pekt, der Sie in­te­res­siert?

Ego­is­tisch … ich weiß nicht … Don José ist in sei­nen Ver­su­chen, Car­men an sich zu bin­den, ja be­reit, vie­les auf­zu­ge­ben, um mit ihr le­ben zu kön­nen. Aber sie sind ego­zen­trisch! Sie den­ken zwar nicht nur an sich, aber sie glau­ben, dass sich al­les nur um sie dreht und nur um sie dre­hen muss!

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