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Arnulf Rainer für den Opernball

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Der österreichische Künstler stellte sein Werk »Schwarzer Samt, rote Seide« für das Plakatsujet des Opernballs zur Verfügung.

Der Idee des 68. Wiener Opernballs, sich 2026 be­reits zum vier­ten Mal in Fol­ge ins Zei­chen der So­li­da­ri­tät zu stel­len, ist auch der be­deu­ten­de ös­ter­rei­chi­sche Künst­ler Arnulf Rainer ge­folgt. Für das Pla­kat­su­jet des Opernballs stell­te er noch zu Le­bens­zei­ten der Wiener Staatsoper ein Werk zur Ver­fü­gung, das in der Fol­ge im Dorotheum zur Auk­ti­on kommt.

Der Rein­er­lös die­ser Auk­ti­on geht, wie al­le an­de­ren ein­ge­nom­me­nen Spen­den rund um den Ball, zu­guns­ten der Hilfs­ak­ti­on Österreich hilft Österreich.

Zur Auktion

»Schwarzer Samt, Rote Seide« – Ein Sehpoem

Mit dem Bild­ti­tel tö­nen be­reits zen­tra­le Bot­schaf­ten des Fes­tes an: Samt und Sei­de knis­tern und schmie­gen sich schmei­chelnd in die Ge­dan­ken an die be­vor­ste­hen­de Fei­er; sie spre­chen nicht al­lein un­ser Schau­en an, zu­gleich lo­cken die wei­chen, fei­nen Stof­fe mehr noch un­se­ren Tast­sinn. Arnulf Rainer bringt in sei­nem Ge­mäl­de mit ge­kurv­ten Li­ni­en ei­nen Schwung von ge­schmei­di­ger Kör­per­lich­keit zur Gel­tung, in­dem zar­te, durch­schei­nen­de Farb­bah­nen sei­de­nen Schlei­ern gleich die Mal­flä­che durch­we­hen. Ein Fest an Ver­hül­lung und Vor­zei­gen führt zu dem hei­te­ren Ge­samt­klang des Bil­des.

Täu­schen wir uns da? Ist nicht Arnulf Rainer der gro­ße Über­ma­ler, un­ter des­sen Mal­at­ta­cken die ge­fun­de­nen Bild­ideen wie­der ab­sa­cken und ver­schwin­den müs­sen, um ei­ner wei­te­ren Schicht in der Mal­haut zu wei­chen? Da­bei ha­ben wir in der Er­in­ne­rung die­se Ge­mäl­de mit schwar­zen, matt­glän­zen­den Ober­flä­chen, die in ih­rer me­lan­cho­li­schen Stim­mung düs­te­re Ah­nun­gen her­auf­be­schwö­ren.

Sie ent­stan­den ab den 1950er Jah­ren beim Ver­such, mit dem Über­stan­de­nen – Ho­lo­caust und Hi­ro­shi­ma, Krieg und Zer­stö­rung und den Ängs­ten der Ge­gen­wart – zu­recht­zu­kom­men. Da­mals, 1951, pu­bli­zier­te Rainer ei­ne Fo­to­map­pe mit dem Ti­tel Perspektiven der Vernichtung. Da­rin ei­ne Auf­zäh­lung von De­fi­zi­ten – Schwei­gen, Ver­lust, Ab­we­sen­heit, Tod, das An­de­re, das Nichts. So tönt es aus den Äu­ße­run­gen des 22-jäh­ri­gen Künst­lers, der von sei­nen Ängs­ten ge­fan­gen zu sein scheint und der sich in ei­ner exis­ten­zia­lis­ti­schen Welt ein­zu­rich­ten be­ginnt.

Wir sind hier bes­ser be­ra­ten, auch die an­de­re Sei­te zu se­hen: Rainer malt sei­ne Farb­zu­de­ckun­gen auch in Rot, Grün und so­gar in Weiß. Die Far­be lässt er auch da­mals nicht aus dem Sinn und de­mons­triert dies an den Proportionen, die zum Teil aus Bunt­pa­pie­ren ge­klebt sind.

In der groß­ar­ti­gen Er­zäh­lung Das unbekannte Meisterwerk (Le chef-d’oeuvre inconnu, 1831) schil­dert Honoré Balzac das Ver­schwin­den ei­nes Ab­bil­des in der Ma­le­rei. Das Bild ver­glüht gleich­sam im An­sturm des Mal­im­pe­tus in leuch­ten­den Far­ben. Schritt für Schritt ver­sinkt das ab­bild­haft Er­kenn­ba­re im Farb­ge­wühl. Rainer ver­folgt hin­ge­gen ei­nen gänz­lich an­de­ren An­satz in sei­nem Kampf mit der Lee­re und ge­gen sie – ge­gen die Lee­re, das Nichts, die wei­ße Flä­che.

Ein wei­te­rer Wen­de­punkt in ei­ner Spi­ra­le, die Arnulf Rainers Werk nach oben brach­te, fin­det durch die Aus­ein­an­der­set­zung mit der Fo­to­gra­fie statt; ab En­de der 1960er Jah­re. Es ent­ste­hen die Be­fas­sun­gen mit der ei­ge­nen Phy­sio­gno­mie durch die Au­to­ma­ten­fo­tos, die nächt­lich am Wiener Westbahnhof er­folg­ten. In den Über­ar­bei­tun­gen der ver­grö­ßer­ten Mo­ti­ve ent­steht ein völ­lig neu­er Um­gang mit dem Ab­bild. Die­ses wird zum Ort und Aus­gangs­punkt ei­ner neu­en Ma­le­rei von emo­tio­na­ler Span­nung und ve­he­men­ter Mal­ge­stik. Als ich ein­mal bei ei­nem Groß­pho­to über die Wan­gen mal­te, brach mir im Mal­rausch der Pin­sel. In der Hast ver­such­te ich es mit den Hän­den, schlug, drosch auf die Wan­ge und war fas­zi­niert von der Ohr­fei­ge­rei, von den Spu­ren mei­ner Hand­schlä­ge. (A.R. 1974)

Zu­erst in den Face Farces und im wei­te­ren Ver­lauf in der Hand­ma­le­rei ent­deckt Rainer im­mer wei­te­re Mög­lich­kei­ten der Far­be: vom un­mit­tel­ba­ren Aus­druck der Far­be durch die Fin­ger und die Hand auf dem Mal­grund. Die Zu­de­ckun­gen durch Far­be sind nicht mehr ab­so­lut, und so schlie­ßen sich dar­an Ma­le­rei­en mit la­sie­ren­dem, trans­pa­ren­tem Farb­auf­trag an. In den Schlei­er­bil­dern, zu de­nen das vor­lie­gen­de Ge­mäl­de Schwarzer Samt, rote Seide (2001) ge­hört, lie­gen die Farb­tö­ne so dicht in der Ab­fol­ge wie dünn im je­wei­li­gen Auf­trag über­ein­an­der, dass sie durch­schei­nend wir­ken wie ech­te Schlei­er aus Ga­ze. Hier durch­we­ben sich die Li­ni­en der Zeich­nung mit der Leucht­kraft von Far­be zu ei­nem glück­li­chen Hö­he­punkt im Spät­werk des Ma­lers. Glück­lich in­so­fern, als er sich aus der las­ten­den Schwe­re des Früh­werks hin zu lich­ten Bil­dern in Rosa–Rot und Himmel–Blau ent­fal­ten konn­te.

Ein Text von Helmut Friedel

Die Dorotheum-On­line-Auk­ti­on star­te­te am 16. Jän­ner um 10.00 Uhr und läuft bis 19. Fe­bru­ar 2026, 16.00 Uhr. Das Werk kann im Dorotheum be­sich­tigt wer­den.

Ge­bo­te kön­nen un­ter der Website des Dorotheum ab­ge­ge­ben wer­den. Der Ruf­preis be­trägt 40.000 €.

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