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Architektur des Tanzes

Ballett |

Choreograf Justin Peck im Gespräch

In ei­nem Trai­ler für die Ur­auf­füh­rung von Heatscape ge­hen Sie mit Kopf­hö­rern durch Mia­mi, wäh­rend plötz­lich Tän­zer*in­nen auf­tau­chen, die sich, an­ge­regt von der Um­ge­bung, in der Sie sich be­fin­den, be­we­gen. Was war die In­spi­ra­ti­on für Ihr Stück?

Heatscape ent­stand an ei­nem Punkt in mei­ner Kar­rie­re, an dem ich als Cho­reo­graf zu mir selbst fand und sehr neu­gie­rig dar­auf war, das klas­si­sche Bal­lett­vo­ka­bu­lar zu er­for­schen, zu ver­än­dern, zu un­ter­lau­fen und ein we­nig wei­ter­zu­trei­ben. Die Ar­beit war ein Auf­trags­werk des Miami City Ballet, ei­ne mei­ner ers­ten gro­ßen Pre­mie­ren au­ßer­halb des New York City Ballet. Ich ha­be ei­ne sehr en­ge Be­zie­hung zu die­sen Tän­zer*in­nen und der Com­pa­gnie auf­ge­baut und woll­te et­was schaf­fen, das die­se aus­zeich­net – nicht nur auf­grund ih­rer künst­le­ri­schen Fä­hig­kei­ten, son­dern auch auf­grund ih­rer geo­gra­fi­schen La­ge. Ich ha­be mit Heatscape ei­ne Welt ge­schaf­fen, die von der Kunst­sze­ne im Wynwood Art District in Mia­mi in­spi­riert ist. Das Be­son­de­re an die­sem Vier­tel ist, dass in ihm ei­ne Ex­plo­si­on der Street Art statt­fand. Über­all wa­ren die­se rie­si­gen Wand­ma­le­rei­en, die erst in den letz­ten paar Jah­ren ent­stan­den, zu ent­de­cken. Es war ein neu­es Auf­kom­men von Kunst­wer­ken, ich hat­te noch nie ei­nen Ort wie die­sen ge­se­hen. Das war in­spi­rie­rend, brach­te die Kunst zu den Men­schen, in die Öf­fent­lich­keit. Ich wie­der­um ver­brach­te viel Zeit da­mit, die Künst­ler*in­nen, die in Wynwood zu se­hen sind, ken­nen­zu­ler­nen, und woll­te schließ­lich ei­nen von ih­nen be­auf­tra­gen, ein Büh­nen­bild für mein Bal­lett zu schaf­fen. Ich be­schloss, nach den Ster­nen zu grei­fen und mich an Shepard Fairey zu wen­den, der in vie­ler­lei Hin­sicht der »God­fa­ther« der Street Art ist. Zu mei­ner Über­ra­schung und Freu­de sag­te er zu und ent­warf das Büh­nen­bild für mei­ne Cho­reo­gra­fie. Ein gro­ßer Teil der Struk­tur des Bal­letts ist von be­stimm­ten Tech­ni­ken des Zeich­nens, Ma­lens und der Mus­te­rung in­spi­riert. Die Be­we­gun­gen wur­den zu ei­nem Spie­gel­bild des­sen, was Shepard Fairey für den gro­ßen Pro­spekt, der im hin­te­ren Teil der Büh­ne hängt, mal­te. Es gibt vie­le Wech­sel­wir­kun­gen zwi­schen der Ar­chi­tek­tur des Tan­zes und der Ar­chi­tek­tur sei­ner Ar­beit.

Was ver­birgt sich, ab­ge­se­hen von der An­spie­lung auf die hei­ßen Stra­ßen Mia­mis, hin­ter dem Ti­tel Heatscape?

Der Ti­tel wur­de auch durch das Werk Summerspace von Merce Cunningham in­spi­riert. Als Merce die­ses kre­ier­te, be­schrieb er es als ei­nen Tanz, der über die Gren­zen der Büh­ne, des Raums und der Ku­lis­sen hin­aus­ge­hen könn­te. Ich mag die­se Art, über Tanz nach­zu­den­ken, und woll­te sie auf mei­ne Cho­reo­gra­fie, was ih­re En­er­gie und Aus­deh­nung an­geht, über­tra­gen. Es soll sich so an­füh­len, als wür­de der Tanz auf der Büh­ne »aus al­len Näh­ten plat­zen«.

Sie ha­ben auf das ers­te Kla­vier­kon­zert von Bohuslav Martinů kre­iert. Was hat Sie da­zu in­spi­riert, die­se Kom­po­si­ti­on zu cho­reo­gra­fie­ren?

Ich ha­be die Mu­sik von Martinů im­mer ge­liebt. Er war ei­ne be­ein­dru­cken­de Per­sön­lich­keit. Die­ses Kla­vier­kon­zert, das er in jun­gen Jah­ren schrieb, hat mich sehr an­ge­spro­chen. Es hat so viel En­er­gie, ist un­glaub­lich tanz­bar, trotz­te auch der Zeit, in der es ent­stan­den ist. In der Par­ti­tur gibt es vie­le An­spie­lun­gen auf Kom­po­nis­ten der Ver­gan­gen­heit, es exis­tie­ren ei­ni­ge ba­ro­cke Ver­wei­se, aber auch Mo­men­te, die sich an­füh­len, als sei die Kom­po­si­ti­on ih­rer Zeit weit vor­aus. Das war fas­zi­nie­rend für mich.

Was ist Ihr Zu­gang zum klas­si­schen Bal­lett?

Ich be­trach­te das klas­si­sche Bal­lett als ei­ne Spra­che, die man ver­wen­den kann, um ei­nen Tanz zu kre­ie­ren und et­was Ei­ge­nes zu er­schaf­fen. Wenn ich ein Bal­lett cho­reo­gra­fie­re, dann geht es dar­um, wie ich die­se Tech­nik, die­ses Al­pha­bet be­nut­ze, um et­was zu schrei­ben. Vie­le Men­schen den­ken bei Klas­sik an Ver­gan­ge­nes oder an ei­ne be­stimm­te Epo­che, aber für mich ist es ei­ne Spra­che, die wir auf vie­le Ar­ten ge­brau­chen kön­nen. Das ist mei­ne Art, über die Ent­ste­hung ei­nes Bal­letts nach­zu­den­ken. Es ist ein hand­werk­li­cher Pro­zess, der die Spra­che nutzt, um ei­ne gan­ze Welt zu er­schaf­fen. Das be­zieht sich nicht nur auf die Schrit­te der Tän­ze­rin­nen und Tän­zer, son­dern auch auf das De­sign, die vi­su­el­le Welt und die Mu­sik. Das Bal­lett war schon im­mer ein Treff­punkt für ver­schie­de­ne Kunst­for­men, die zu­sam­men­kom­men und ei­ne kohä­ren­te Er­fah­rung schaf­fen, die an ei­nem ganz be­stimm­ten Ort und zu ei­ner ganz be­stimm­ten Zeit exis­tiert.

Sie sind ein Künst­ler, der in­ter­dis­zi­pli­när ar­bei­tet. Sie cho­reo­gra­fie­ren nicht nur Bal­let­te, son­dern auch für Mu­si­cal und Film.

Ich ha­be das Glück, dass der ge­mein­sa­me Fak­tor in all die­sen Din­gen der Tanz ist und, ob es nun Thea­ter oder Bal­lett ist, es ist ei­ne Spra­che, die ich zu spre­chen weiß. Die Aus­drucks­fä­hig­keit die­ser an­de­ren Me­di­en hat mich schon im­mer fas­zi­niert. Ich bin mit Broad­way-Shows und Mu­si­cals auf­ge­wach­sen und ha­be na­tür­lich auch vie­le Fil­me ge­se­hen, so­dass es mich sehr in­spi­riert, an der Ent­ste­hung von Wer­ken aus an­de­ren Gat­tun­gen teil­zu­ha­ben. Ich mag es nicht, nur ei­ne Sa­che zu ma­chen. Die Viel­falt der Ar­beit ist es, die mich krea­tiv am Le­ben hält. Die ver­schie­de­nen Me­di­en glei­chen sich ge­gen­sei­tig aus, und ich ler­ne viel von je­dem ein­zel­nen Gen­re, das ich in das nächs­te ein­brin­gen kann. Denn sie funk­tio­nie­ren al­le ein biss­chen an­ders, und ich lie­be die­sen ge­gen­sei­ti­gen Ein­fluss.

Das voll­stän­di­ge In­ter­view fin­den Sie im Pro­gramm­heft Visionary Dances

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