Über das Werk
Der legendäre Frauenheld Don Giovanni erobert skrupellos und rücksichtslos die Herzen der Frauen. Seine Untaten bleiben jedoch nicht ungestraft, als er eines Tages den Komtur herausfordert und tötet.
Als Don Giovanni versucht, seinen Verfolgern zu entkommen und seine Taten zu verbergen, wird es brenzlig. Doch am Ende wird er von einer übernatürlichen Macht zur Rechenschaft gezogen und in die Hölle gezogen, während alle anderen über die Vergänglichkeit der Macht und die Gerechtigkeit des Schicksals nachdenken. Die Oper ist eine fesselnde Darstellung von Liebe, Verführung, Rache und moralischer Verantwortung.
Don Giovanni
Handlung
Don Giovannis Diener Leporello möchte ein Herr sein, statt immer nur zu dienen. Donna Anna versucht, den fliehenden Don Giovanni aufzuhalten.
Sie ruft um Hilfe. Don Giovanni versichert, sie werde nie erfahren, wer er sei. Donna Annas Vater, der Komtur, stellt Don Giovanni. Im folgenden Kampf verletzt Don Giovanni den Komtur tödlich. Donna Anna treibt ihren Verlobten Don Ottavio an, ihrem Vater zu Hilfe zu kommen, doch die beiden finden nur noch den Leichnam des Komturs. Donna Anna nimmt dem Verlobten das Versprechen ab, den Vater zu rächen.
Don Giovanni hofft auf eine neue Eroberung. Stattdessen treffen er und Leporello auf Donna Elvira, die Giovanni vorwirft, er habe sie durch falsche Versprechungen getäuscht und verführt. Während Leporello Donna Elvira ablenkt, kann Don Giovanni fliehen. Donna Elvira schwört Rache. Masetto und Zerlina feiern mit ihren Gästen die Liebe, die Jugend und ihre bevorstehende Hochzeit. Don Giovanni weist Leporello an, die Gesellschaft und vor allem den Bräutigam in sein Haus zu führen und zu bewirten, er und Zerlina kämen später nach. Masettos Einspruch begegnet er mit einer unverhohlenen Drohung. Masetto muss klein beigeben.
Don Giovanni lädt Zerlina auf sein nahes Schloss ein, dort wolle er sie heiraten. Zerlina zögert, willigt dann aber ein. Die beiden werden von Donna Elvira unterbrochen, die Zerlina vor dem Verführer warnt und sie mit sich nimmt. Don Ottavio und Donna Anna bitten Don Giovanni um Hilfe bei der Suche nach dem unbekannten Mörder des Komturs. Wieder tritt Donna Elvira auf und warnt vor Giovannis Ruchlosigkeit. Dieser deutet an, Elvira sei nicht bei Sinnen, und folgt ihr, als sie sich entfernt. An Don Giovannis Verhalten hat Donna Anna den Mörder ihres Vaters erkannt. Sie fordert Don Ottavio erneut auf, sie zu rächen.
Don Giovanni weist Leporello an, ein Fest vorzubereiten, auf dem er neue Eroberungen machen möchte. Zerlina versucht, Masetto zu überzeugen, dass zwischen ihr und Don Giovanni nichts vorgefallen sei. Don Giovanni kommt hinzu und drängt beide, mit ihm zu feiern. Donna Anna, Donna Elvira und Don Ottavio nähern sich maskiert. Auf Don Giovannis Geheiß lädt Leporello sie zum Fest. Don Giovanni verschwindet mit Zerlina. Bald hört man sie um Hilfe rufen. Donna Anna, Donna Elvira, Don Ottavio und Masetto eilen zu ihrem Schutz herbei. Don Giovanni präsentiert Leporello als den Schuldigen. Die anderen glauben ihm nicht, aber sie bekommen Don Giovanni auch nicht zu fassen.
Don Giovanni zwingt Leporello, mit ihm die Kleider zu tauschen. Er will verkleidet Donna Elviras Kammermädchen verführen, Leporello soll inzwischen Donna Elvira beschäftigen.
Leporello findet Gefallen daran, Donna Elvira zu umschmeicheln. Don Giovanni trifft auf Masetto, der bewaffnet nach ihm sucht, ihn aber in Leporellos Kleidern nicht erkennt. Nachdem Giovanni Masetto die Waffen abgenommen hat, verprügelt er ihn. Zerlina findet den Verletzten und pflegt seine Wunden. Leporello versucht, sich Donna Elvira zu entziehen. Dabei trifft er auf Donna Anna und Don Ottavio, Zerlina und Masetto, die ihn für Don Giovanni halten. Sie wollen ihn töten.
Donna Elvira bittet um Mitleid. Leporello gibt sich zu erkennen und beteuert seine Unschuld. Unter Ausflüchten gelingt ihm die Flucht. Donna Elvira ist hin- und hergerissen zwischen Rachegefühlen und Sorge um Don Giovanni. Don Giovanni und Leporello treffen auf dem Friedhof aufeinander.
Ausgelassen erzählt Don Giovanni von seinen letzten Liebesabenteuern. Die Stimme des Komturs mahnt, die Ruhe der Toten nicht zu stören. Don Giovanni macht sich lustig und fordert Leporello auf, den Komtur zum Abendessen einzuladen. Leporello spricht die Einladung aus, der Komtur willigt ein. Don Ottavio bietet Donna Anna seinen Trost und seine Hand an. Sie bittet ihn um Verständnis für ihre Lage und um Geduld.
Don Giovanni bereitet ein glänzendes Abendessen vor. Donna Elvira erscheint. Sie drängt Don Giovanni, sein Leben zu ändern. Giovanni verspottet sie. Elvira entfernt sich, dann hört man ihren Entsetzensschrei. Der Komtur tritt ein.
Er spricht Don Giovanni eine Gegeneinladung aus. Don Giovanni willigt ein. Er ergreift die dargebotene Hand und erschrickt über ihre Eiseskälte. Der Komtur fordert Don Giovanni auf, zu bereuen und sein Leben zu ändern: Es sei die letzte Gelegenheit. Don Giovanni lehnt ab. Stimmen kündigen seine Strafe an. Don Giovanni bricht zusammen.
Donna Anna, Donna Elvira, Don Ottavio, Zerlina und Masetto treffen ein, um Don Giovanni seiner gerechten Strafe zuzuführen. Sie treffen nur noch Leporello an, der von Don Giovannis Schicksal berichtet. Die Gesellschaft zerstreut sich, nicht ohne zu resümieren: Im Tod der Ruchlosen spiegelt sich immer ihr Leben.
Barrie Koskys Inszenierung von Don Giovanni greift die in der Stückvorlage enthaltene Ambivalenz zwischen grotesker Komödie und düsterem Drama auf und blickt dabei tief in die Psyche der Figuren. Vater-Kind-Konflikte, Herr-und-Knecht-Dynamiken und die ewige Suche nach der eigenen Identität spielen bei der Deutung der Figuren eine essenzielle Rolle. Der Raum, den das Stück schafft, wird bei Kosky zu einem »Laboratorium für widersprüchliche Ideen über die menschliche Existenz ohne fertige Antworten.« Das Drama fokussiert sich auf das tiefenpsychologische, dionysische und gefährliche der einzelnen Figuren, die schlussendlich Verantwortung für ihre eigenen selbstzerstörerischen Triebe übernehmen müssen.
Unverwechselbar sind die ersten Akkorde der Ouvertüre von Don Giovanni in d-Moll – einer Tonart, die v. a. als Ausdruck besonders düsterer und dramatischer Momente galt und die im Gesamtwerk Mozarts eine Sonderstellung einnimmt. So steht beispielsweise auch das Requiem (KV 626), das Letztwerk vor seinem frühen Tod, in d-Moll. Ebenso die bekannte Fantasie d-Moll (KV 397) oder das Streichquartett Nr. 15 (KV 421), eines der wenigen Streichquartette in einer Moll-Tonart, über das seine Frau Constanze in einem späteren Brief behauptete, er habe es während der Entbindung ihres ersten Sohnes komponiert.
»Opera buffa« notierte Mozart in seinem Verzeichnis aller meiner Werke am 28. Oktober 1787 zu Don Giovanni – und ordnete das Werk somit eindeutig dem komischen Genre zu. Eine auf den ersten Blick kuriose Zuschreibung, die längst kanonischer Gegenstand der musikwissenschaftlichen Forschung geworden ist. Auch wenn, u. a. der romantischen Rezeption der Oper geschuldet, heutezutage häufig die tragischen Aspekte der Oper hervorgehoben werden, ist die Verwurzelung im komischen Genre nicht zu verleugnen: heitere Arien, Wortwitze oder Buffa-Figuren wie die des Leporello oder des »niederen« Paares Zerlina und Masetto, die der Figurentypologie der sogenannten Commedia dell’arte entstammen. Aber auch Merkmale der »semiseria«, dem halbtragischen Genre, weist das Werk auf. Für Regisseur Barrie Kosky lebt Don Giovanni gerade von dieser Balance zwischen Komödie und Tragödie.
